Freitag 11. Juni 2010

Tarifabschluss im Bankgewerbe

Gemeinsame Erklärung zum betrieblichen Gesundheitsschutz vereinbart!

• Beschäftigungssicherung verbessert!

• Vorruhestand und Altersteilzeit verlängert!

• Mehr Geld!

So kann man die wichtigsten Ergebnisse des Tarifabschlusses im privaten/öffentlichen Bankgewerbe zusammenfassen. Dieser Abschluss kam in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zustande. Während es rund um das Hotel blitzte und donnerte und der Frankfurter Flughafen wegen des Gewitters gesperrt wurde, verhandelten wir in dem düsteren Hotel mit den endlos langen Gängen!

Was sind nun die Details des Abschlusses:

• Eine gemeinsame Erklärung zum betrieblichen Gesundheitsschutz bringt erste wichtige Erfolge auf dem Weg zur Begrenzung des Verkaufsdrucks, des übertriebenen Controllings und der Eingrenzung des Leistungsdrucks in den Back-Office-Bereichen. Hier heißt es u.a.:

o „Führung soll Fehlbelastungen vermeiden. Insbesondere sollen Ziele fair, erreichbar, spezifisch und unter Berücksichtigung der Kundenbedürfnisse formuliert sein

o „Die Unternehmen sollen ihren Beschäftigten angemessene Gestaltungsspielräume einräumen.“

• Das Rationalisierungsschutzabkommen wird wieder in Kraft gesetzt.

o Es enthält erstmals Regelungen zum Vorruhestand und zur Altersteilzeit, die somit unbefristet für den Rationalisierungsfall gelten.

o Gegen die Aussprache von betriebsbedingten Kündigungen werden neue Hürden eingeführt, arbeitgeberseitige Kündigungen werden zwar nicht verboten, aber deutlich schwieriger.

o Der Besitzstand wird deutlich verbessert! Das Gehalt wird gesichert, auch wenn man noch nicht mindestens 10 Jahre in der Bankgearbeitet hat oder 40. Jahre alt ist. Eine deutliche Verbesserung, gerade für junge Menschen!

• Das Vorruhestandsabkommen wird wieder in Kraft gesetzt, diesmal mit einer Geltung bis Ende 2012.

• Das Altersteilzeitabkommen wird bis Ende 2014 verlängert, die tarifliche Kurzarbeit (31-h-Klausel) sogar bis Ende 2015!

• Und schließlich zum Gehalt:

o Die Beschäftigten erhalten im August eine Einmalzahlung in Höhe von 300 EURO (Azubis 75 €)

o Am 1.1.2011 gibt es eine Anhebung der Tabellengehälter um 1,6 % linear, auch für Azubis.

o Der Tarifvertrag ist erstmals zum 29.02.2012 kündbar.

Fazit: Ver.di hat beim Gesundheitsschutz, bei den eingeforderten Maßnahmen gegen den Vertriebs- und Leistungsdruck einen ersten Erfolg errungen! Insbesondere vor dem Hintergrund der ursprünglichen Tabuhaltung der Arbeitgeber. Damit ist klar: Verkaufen auf „Teufel komm raus“ ist mit dem gemeinsamen Willen der Tarifparteien nicht vereinbar! In den Back-office-Abteilungen geht es um die Begrenzung des Leistungsdrucks und die Vermeidung immer eintöniger Arbeitsabläufe. Daran werden wir in den nächsten Monaten und Jahren in den nun anstehenden betrieblichen Umsetzungen anknüpfen! Beschäftigung im Bankgewerbe ist ein gutes Stück sicherer geworden. Einerseits wird es für die Bank schwieriger, Beschäftigten zu kündigen, andererseits erhält sie eine Reihe von Instrumenten zur Beschäftigungssicherung. Ver.di dazu: Zwar werden betriebsbedingte Kündigungen mit diesen Regelungen nicht völlig ausgeschlossen, in der Praxis aber erheblich erschwert. Das ist gut für die Beschäftigten! Die Realeinkommen der Bankangestellten werden gesichert und nicht von der Entwicklung anderer Branchen abgekoppelt. Die ver.di-Tarifkommission, die in einem stickig heißen Raum (die Klimaanlage war ausgefallen) tagte, hat dem Ergebnis im Paket deshalb einstimmig zugestimmt.

Und nun bin ich gespannt, was Ihr sagt. Auch an Deiner Bewertung des Abschlusses bin ich interessiert. Hier kannst du dich klar und deutlich äußern!

positiv
Rubrik: Banken
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Kommentare

 
Banker · Dienstag 15. Juni 2010 · 17:12
1,6% bei Millionen Gewinnen und Mega Bonis

EIN WITZ

 
Reinhard Rupsch · Dienstag 22. Juni 2010 · 12:24
Nee, nee!
Das Ergebnis der letzten Runde war schon erbärmlich, dieses spottet mit 1,6 % für 22 Monate jeder Beschreibung.
I am not amused... :(
 
Markus Jelinek · Mittwoch 23. Juni 2010 · 15:30
Traurig, traurig.
Riesengewinne, kaum Boni, dafür aber immer mehr Arbeit für fast gleiches Geld. Die 1,6 % spottet jeder Beschreibung! Ich glaube nicht, das die "großen" Gehälter ähnlich "kleine" Erhöhungen erfahren haben. Ansonsten Daumen hoch für die Erfolge in den restlichen Punkten:

• Gemeinsame Erklärung zum betrieblichen Gesundheitsschutz vereinbart!

• Beschäftigungssicherung verbessert!

• Vorruhestand und Altersteilzeit verlängert!
 
NJ · Freitag 25. Juni 2010 · 13:10
Positiv hervorzuheben sind die Regelungen zum Vorruhestand und zur Altersteilzeit.
Die gemeinsame Erklärung zum Gesundheitsschutz liest sich zwar schön, wird aber an der Problematik nichts verändern

Die "Gehaltserhöhung" ist einfach nur schwach. Im Vergleich zum Abschluss in Bereich Banken TVöD schneiden wir sogar schlechter ab. Warum?!
 
Achim aus Berlin · Donnerstag 1. Juli 2010 · 17:53
Ich finde im "nichtmonetären Bereich" ist eine Menge erreicht worden. Da stimme ich meinen Vorrednern (bzw. -schreibern) ausdrücklich zu. Bei der Gehaltserhöhung muss man die aktuelle Lage berücksichtigen, geringe Inflation und Unruhe in den Banken. Glaubt Ihr, es hätte in diesem Jahr in den Banken eine große Streikbewegung gegeben? In dem Jahr, in dem die Dresdner Bank verschwunden ist und sich die KollegInnen mit den Commerzbankern um die Plätze streiten? Die 1,6 % wurden ohne Streiks erreicht, in den Sparkassen gab es bundesweit Warnstreikaktionen mit zigtausend Teilnehmern.
Unter dien Aspekten bin ich (ungern) auch mit den 1,6% zufrieden.
In 2012 muss dann aber mehr abgehen!
 
NJ · Freitag 2. Juli 2010 · 12:57
Bei uns häufen sich die Fragen zu der Vorruhestandsregelung (z.B. ich habe vor zwei Jahren vorsorglich beantragt, kann ich sofort gehen?!).
Wann gibt es die entsprechende Durchführungsverodnung bzw. weitere Infos?
 
Rolf Bayer · Freitag 9. Juli 2010 · 06:47
Das ist ein lächerlicher Abschluss!
Außer bei der Altersteilzeit und dem Vorruhestand wurde rein gar nichts erreicht...
Kein konkreter Gesundsheitsschutz!!!
1,6% mehr Lohn/Hohn bei xx% mehr Arbeit!!!

Da ist ja bei den Schleckermitarbeitern mehr erreicht worden... Ich habe meine Mitgliedschaft bei verdi bereits gekündigt!
 
echterhamburger · Montag 12. Juli 2010 · 13:31
Erbärmilcher Abschluss!

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
 
echterhamburger · Montag 12. Juli 2010 · 13:31
Erbärmlicher Abschluss!

Mehr gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.
 
Achim aus Berlin · Dienstag 20. Juli 2010 · 15:29
Wenn hier etwas lächerlich ist, dann sind es solche Kommentare wie von Rolf Bayer!
Sich als Bankangestellter mit den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung der MitarbeiterInnen bei Schlecker oder im sonst. Einzelhandel zu vergleichen ist lächerlich. Da geht es uns bei allen Belastungen immer noch deutlich besser!

Was man aber bei den MitarbeiterInnen von Schlecker anerkennen muss, ist der Mut von vielen dort! Sich für Betriebsratswahlen unter ständiger Kündigungsdrohung aufstellen zu lassen und auch Proteste durchzuziehen, das ist bewundernswert.

Ich weiss wie schwer es ist, in der Bank ausreichend KandidatInnen für die BR-Wahl zu finden, weil Engagement notwendig ist und die (meist unbegründete) Angst vor Karrierenachteilen besteht.

Unter dem Aspekt, dass in diesem Jahr bei den priv. Banken kaum Bereitschaft zu Streikaktionen besteht (bei den Genossenschaftsbanken besteht seit Jahren gar keine Bereitschaft trotz fehlendem Tarifabschluss), bin ich auch mit dem monetären Abschluss zufrieden.

Ich hoffe die Vorredner gehen 2012 mit auf die Straße wenn höhere Abschlüsse gefordert werden!
 
Frank Sander · Dienstag 20. Juli 2010 · 23:01
Schwachsinn wohl bleibt da die Gerechtigkeit des kleinen Mannes?
 
Rolf Bayer · Sonntag 25. Juli 2010 · 15:05
Genau Achim aus Berlin... Du hast ja so recht!!!
Mein Einjahres-Vetrag ist befristet bis Ende Oktober. Meine monatlichen Vorgaben zum "verkaufen" von Bankprodukten konnte ich nicht erfüllen.
Bei TG 6 habe ich oft eine 50+ Stundenwoche (inkl. Samstag) mit allen Kundenterminen...
Bei "meiner" Bank geht es denen besser, die seit 10+ Jahren unbefristet im Sattel sitzen und noch immer 14 Monatsgehälter beziehen. So wie Du Achim...?
Und wofür soll ich jetzt bei diesem Tarifabschluss dankbar sein? Für die Altersteilzeit oder doch für den Vorruhestand?
Und ja, ich war auf der Straße und bin es dann ab November wohl wieder häufiger!
 
Max Muster · Donnerstag 29. Juli 2010 · 14:12
Was tut denn Verdi überhaupt?

1,6% für 22 Monate? -> umgerechnet 0,87% Lohnerhöhung p.a.!

Dafür will sich Verdi auch noch feiern lassen. DIe Arbeitgeber könne wahrscheinlich selber kaum glauben was für Diletanten ihnen bei den Tarifverhandlungen gegenübersitzen.

Für solche Abschlüsse braucht man keine Gewerkschaft, da schafft man ja bessere Abschlüsse via Haustarifabschluss.
 
Achim aus Berlin · Dienstag 3. August 2010 · 18:56
@Rolf Bayer
Das tut mir für Dich wirklich leid! Leider sind das die Folgen der "Arbeitmarktreformen", die weniger Arbeitsplätze als Unsicherheit geschaffen haben. Du hast auch völlig recht, dass es in der Vergangenheit zu einer Korrosion der Arbeitsbedingungen gekommen ist. Auch ich erlebe, was Du schilderst. Richtig, ich gehöre zu den 10+ bzw. 20+ mit Tarifgehalt, 13 Gehältern und "Bonuschance". KollegInnen, die länger dabei sind, haben für die gleiche Tätigkeit AT-Vertrag und andere schöne Dinge.
Aber woran liegt das? Seit 30 Jahren sinkt auch die gewerkschaftliche Mitgliedsquote, weil "man ja sein Tarifgehalt auch so bekommt". Jahrelang ging das gut, aber inzwischen hat die gewerkschaftliche Kampfkraft darunter gelitten. Es werden in Banken ohne nenneswerte gewerkschaftliche basis Tarifverträge mit Pseudogewerkschaften abgeschlossen.
Aber was hätte Dir in Deiner Lage ein Abschluss mit einer höheren Prozentzahl gebracht? Aktuell solltest Du zumindest die Bezahlung Deiner Überstunden einfordern!
Auch ich bin noch weit entfernt von Altersteilzeit oder Vorruhestand, aber nur mit diesen Instrumenten geht Arbeitsplatzabbau nicht zu Lasten der Jüngsten und ist Übernahme von jungen KollegInnen möglich!
Vor allem im Vertrieb ist oft kein betrieblicher Vorruhestand (mangels Überhang) möglich, so dass hier der tarifliche Anspruch die Chance auf Übernahme bietet.
Ich wünsche Dir, dass Du im Anschluss doch noch einen Job findest.

@Max Muster
Rechnen kannst Du ja scheinbar (allerdings hast Du die Einmalzahlung vergessen, dann geht es je nach Tarifgruppe in Richtung 1% p.a.), jetzt kommt der nächste Schritt: Mit welcher Größe vergleichst Du den Abschluss? Wenn man die Inflationsrate der letzten Jahre zugrunde legt, kommt man etwa auf diesen Wert!
Ich habe auch nicht gelesen, dass ver.di diesen Abschluss feiert(?). Nein, er ist im monetären Bereich befriedigend, da er den Kaufkraftverlust ausgleicht. Ich habe bei meinen KollegInnen aber auch keine höhere Erwartung gehört.
Glaubst Du, dass es in diesem Jahr zu einer größeren, bundesweiten Streikbewegung gekommen wäre?
Das sind die Gedanken, die sich Profis am Verhandlungstisch machen. Verhandlungsmacht hat was mit Macht und Stärke zu tun. Für höhere Abschlüsse wären kraftvolle Aktionen nötig.
 
Friedhelm Hilscher · Freitag 13. August 2010 · 18:57
Die 300€ Einmalzahlung im August werden vom Arbeitgeber als Sonderbonus für die aktiv Beschäftigten gewertet. Wer im Vorruhestand ist bekommt für 2010 keine Erhöhung bzw. keinen Anteil und muss bis zum 1.1.2011 warten. Erst dann wird das Tarifgehalt angehoben. Toll was?
 
CK · Samstag 14. August 2010 · 13:31
Der Abschluß an sich reiht sich ein in die lange Reihe der mäßigen bis schlechten Abschlüsse der letzten Jahre. 1,6% auf knapp 2 Jahre gerechnet sind im Prinzip ein Witz. Der Trend zu schlechteren Steigerungen bei längerer Laufzeit nimmt leider zu. Ich verstehe nicht, warum die Gewerkschaften das mit sich machen lassen. Irgendwie habe ich die Befürchtung, dass es ihnen immer weniger gelingt die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten.

Das liegt sicherlich auch am sehr schwachen Organisierungsgrad in unserer Branche, aber was lassen sich die Gewerkschaften denn einfallen um dem entgegenzuwirken? Wie wäre es denn mal sich Gedanken über eine Änderung der Beitragsregelung zu machen? Statt immer 1% vom Brutto mal 10 Euro pro Monat + einmalige prozentuale Beteiligung an der jeweilig erreichten Steigerung der Löhne. Damit würde man viele neue Mitglieder ansprechen und auch mal ein Zeichen setzen, dass die Gewerkschaften sich an ihrem Erfolg messen lassen. Der Eindruck, dass der Einsatz auf oberster Ebene nicht ganz so intensiv wie an der Basis ist hat, sich in der Bevölkerung leider schon sehr weit durchgesetzt.

 
Rüdiger Bährmann · Sonntag 28. November 2010 · 08:38
Zitat aus dem Abschluss: "Eine gemeinsame Erklärung zum betrieblichen Gesundheitsschutz bringt erste wichtige Erfolge auf dem Weg zur Begrenzung des Verkaufsdrucks[..]"

Hat sich eigentlich bei irgendjemandem was geändert? Bei uns nicht! Im Gegenteil vor Jahresende wurde jeder Berater nochmals auf "seine" Zielvorgaben im Einzelgespräch "hingewiesen"... Ich fühle mich mit dem Abschluss im Juni immer mehr enttäuscht.
 
Dietmar Meininger · Sonntag 26. Dezember 2010 · 07:39
@Rüdiger Bährmann:
Das lief bei uns ganz genau so. Das hat null Verbesserung gebracht und wird auch überhaupt nichts verändern, da keinerlei feste Vorgaben im Abschluss ausgehandelt wurden. Die Vorgaben sind genau so geblieben und das daraus resultierende Ausnehmen der Kunden ebenfalls.

Was der Gesundheitsschutz für mich gebracht hat?
Hier die Umsetzung bei uns: Alle Führungskräfte wurden auf ein Seminar "Zum Umgang mit psychisch erkankten Mitarbeitern" geschickt... Anschließendes Zitat von einem meiner Vorgesetzten: "Super Sache, jetzt erkenne ich die Versager hoffentlich früher!"
An unseren Arbeitsbedingungen hat sich gar nix geändert. Aber die 1,6% mehr zeigen ja gaaaanz deutlich, wie viel die Arbeit im kommenden Jahr Wert sein wird. (Inflationsrate Nov. 2010 bei 1,5%)

Ich bin echt froh, dass ich ab April 2011 einen Job in der Industrie antreten kann. Ich zähl schon die Tage...
Viel Glück Euch Allen!
 
Spasskässler · Donnerstag 30. Dezember 2010 · 13:15
Vielen Dank Verdi für Euren tollen letzten Abschluss!

Wer will jetzt noch bestreiten, dass die Reallöhne bei Tarifmitarbeitern der Bankbranche sinken, die Leistungsansprüche aber immer höher werden?

So ein Ergebnis hätte man wohl auch ohne Gewerkschaft mit privaten Verhandlungen erzielen können... Spart zudem dem "teuren" Gewerkschaftsbeitrag.

Kurzum: Ich bin mit Eurer Arbeit total unzufrieden.

 
Timothy · Freitag 14. Januar 2011 · 09:39
Der Abschluss war ein absoluter Witz!
Mit einem Haustarifvertrag wären wir eindeutig besser gefahren, daher bin ich jetzt nach dem zweiten entäuschenden Tarifabschluss hintereinander aus der Gewerkschaft ausgetreten!
Spare den Monatsbeitrag für die Verdi lieber für mein Patenkind!
 

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