Donnerstag 11. Februar 2010

Verhandlungen gescheitert, ver.di und Arbeitgeber rufen Schlichtung an

Von einem „spürbaren“ Angebot, dass keines ist und keiner spürt…

Nach vielem Hin und Her boten die Arbeitgeber heute im Laufe des Tages eine „Positionierung“ an. Sie sprachen von 1,5% Volumen für 2 Jahre Laufzeit und das darin 1% für die Leistungsentgelterhöhung bereits enthalten seien.

Also man rechne schnell nach: Ganze 0,5% auf 2 Jahre sollten verwendet werden zur Finanzierung einer linearen Tabellengehaltserhöhung UND für die Finanzierung einer Verlängerung von Altersteilzeit UND der Bezahlung von Aufstiegen UND der Übernahmeregelung für die Azubis. Das nannte der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Bundesinnenminister Thomas de Maizière eine „spürbare Gehaltserhöhung“- also ich spürte nix- außer Ärger und Erstaunen über so viel Frechheit.

Der VKA-Präsident Dr. Thomas Böhle erklärte ausdrücklich, man mache auch kein Angebot, nur eine „Positionierung“. Der Unterschied liege darin, dass man bei einem Angebot davon ausgeht, dass ver.di es annimmt (so Herr Böhle). Wohl war, dass solch „Positionierung“ von ver.di abgelehnt werden musste, liegt auf der Hand!

Bewegung gab es zwar bei strukturellen Forderungen, es öffneten sich ein Spalt breit die Türen, aber wie der Tisch dahinter gedeckt sein soll, blieb leider völlig im Dunkeln. Nichts Konkretes also, nur soviel:

  • Bei der Verlängerung der Altersteilzeit wollen die Arbeitgeber zwar Zugeständnisse machen, aber nur in Personalabbaubereichen, ohne Rechtsanspruch für Beschäftigte und mit deutlich geringerem Aufstockungsbetrag wie bisher. Das läuft aber nur, wenn zugleich eine Verlängerungsoption für jene Beschäftigte materiell angereizt wird, die freiwillig über ihre Altersgrenze hinaus arbeiten möchten. Das nennen die Arbeitgeber das „Faltermodell“ (Falter mit zwei Flügeln).

  • Beim Bewährungsaufstieg kann man sich für die Neueingestellten (ab 1.10.2005) als Ausgleich für entgangene Aufstiege eine Pauschalzahlung vorstellen.

  • Übernahme von Azubis könne man reden- auch hier ist keine Konkretisierung möglich gewesen.

ver.di hat sich bewegt. Wir sehen 2,5% Lohnerhöhung für 2010 und zusätzlich 1% Volumen zur Finanzierung der strukturellen Forderungen als Ergebnis an, dass den Beschäftigten dienen würde und Wachstumsimpulse setzt. Der öffentliche Dienst muss für den Konsum ein großer Impulsgeber sein, denn die Industrie wird derzeit in der Krise diese Rolle nicht leisten können.

An der Schlichtung ging kein Weg vorbei. Zu weit liegen die Sichtweisen über das materielle Niveau auseinander, zu unbestimmt blieben die Arbeitgeber bei den Strukturforderungen.

Das doppelte Problem ist geblieben: Der Bund will so niedrig wie möglich abschließen, die VKA das Niedrige möglichst nur als Leistungsentgelt vereinbaren. Ob die Schlichtung die Herkulesaufgabe eines tragfähigen Kompromisses hinbekommt, steht in den Sternen. Also KEINE Entwarnung. Die Schlichtung beginnt am 18.2. und soll am 24. oder 25.02. enden. Danach sind wieder die Tarifvertragsparteien dran und bewerten die Schlichtungsempfehlung.

Ich freue mich über Eure Meinung im Blog! Euer Timo Tarif

neutral
Rubrik: Sparkassen
Artikel versenden · drucken
 

Kommentare

 
Andreas Schröder · Freitag 12. Februar 2010 · 09:33
Bänkerboni verbieten wollen,
aber Erhöhung des Leistungsentgelts für Sparkassenmitarbeiter fordern?
Manch einer muß da unter gespaltener Persönlichkeit leiden.
Wir werden jetzt ein wenig friedlich sein und uns auf die Zeit nach der Schlichtung vorbereiten. Viel Spaß bis dann
 
Norbert · Freitag 12. Februar 2010 · 10:34
Einer unserer Personalräte in der Sparkasse hat es einmal vor Jahren auf den Punkt gebracht: dass die Kassen der öffentlichen Haushalte leer sind, haben nicht die Beschäftigten des ÖD zu verantworten. Deshalb ihre Löhne u. Gehälter als Spielball für Haushaltssanierungen verwenden zu wollen, ist unsozial und unwirtschaftlich !

Die Haushaltssanierung der öffentlichen Kassen geht Alle an ! Warum sollen immer nur wir, die Beschäftigten des ÖD Verzicht üben ?

Das sehe ich nicht ein !
 
Karl-H. · Freitag 12. Februar 2010 · 14:43
Zum Tarifangebot:
1. Leider werden dabei die "immer noch oder wieder" gut verdienenden Sparkassen mit den z.T. wirklich armen Kommunen in einen Topf geworfen. 2. Vergessen wird dabei auch die Sachlage in der Praxis:
- Den Mitarbeitern wird immer wieder die schlechte Wirtschaftslage vor Augen gehalten,
- der erneut steigende Verkaufsdruck über die SSZ "in Rechnung gestellt" (Wer die Vorgabe nicht erfüllt, erhält eben weniger Geld!)
- und zusätzlich werden die Vertriebs-steigerungsmethoden des Verbandes eingeführt.

Zur Steigerung des Ganzen sollte man sich dann alle Worte zu den Tarifverhandlungen zu Herzen nehmen und dabei die Sparkassen-zeitung vom 5. Februar 2010 (nur ein Bei-spiel)und damit die erstaunlichen Erfolgs-berichte für 2009 der verschiedenen Sparkassen lesen: Eigentlich müssten danach viele Kollleginnen und Kollegen endlich aufwachen und für tarifgerechte, faire Arbeitsmethoden und Arbeitsbedingungen sowie für eine ordentliche Anpassung der Entlohnung auf die Barrikaden gehen.Aber, wer will sich schon als Verlierer zu erkennen geben....
 
Thorsten B · Freitag 12. Februar 2010 · 23:52
Eine wirklich gerechte leistungsbezogene Bezahlung ist ohnehin fast nicht darstellbar. Weder am Markt noch im Backoffice ist die tatsächliche Arbeitsleistung zu 100% genau messbar. Die Arbeitgeber bewerten nach der Zahl der Abschlüsse und würden gern entsprechend die Löhne zahlen. Eine schlechte Wirtschaftslage macht viele Abschlüsse jedoch nicht möglich und in diesem Fall sollen die Bediensteten halt weniger Lohn erhalten. D.h. die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernehmen das unternehmerische Risiko. Kein guter Witz! Die Tatsache, daß die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt haben und darauf scheinbar noch stolz sind muß entsprechend von uns beantwortet werden. Bedauerlicherweise haben sich viele Kolleginnen und Kollegen nicht zur Teilnahme an den jüngsten Warnstreiks aufraffen können. Es steht zu befürchten, daß ein evtl. Aufruf zu weiteren auch längerfristigen Streiks kaum Beachtung finden wird.
 

Eigener Kommentar

Kommentar
Dein Name *
Deine E-Mail-Adresse * (nur für die Redaktion, wird nicht veröffentlicht!)
Deine Internetseite
Angaben für weitere Kommentare merken?