Anpfiff zur 1. Verhandlungsrunde öD/Sparkassen am 13.1.2010:
Keine Erhöhung in Aussicht, aber Abschluss für Arbeitgeber nur mit stärkerer Leistungsorientierung vorstellbar
Als Euer Berichterstatter TimoTarif bin ich nun wieder an Deck und berichte hautnah aus den Tarifverhandlungen öffentlicher Dienst, in die- wie Ihr wisst- auch die Sparkassen einbezogen sind.
Das die Arbeitgeber in Geberlaune an den Verhandlungstisch treten würden, habe ich kaum erwartet. Die Aussagen der Arbeitgeber- vertreten durch Bund und VKA- ziehen einem aber schon die Schuhe aus, für Klarheit ist nunmehr gesorgt, wir wissen woran wir sind:
Die zentralen AG-Aussagen: Am besten gäbe es überhaupt kein Geld, es gibt keinen Spielraum für lineare Erhöhungen; wenn es aber zu einem Abschluss kommt, ist dieser ohne Anhebung des Leistungsentgelts überhaupt nicht vorstellbar.
ver.di sieht andererseits keine Notwendigkeit, statt Tabellenerhöhungen für Leistungslohnsteigerung einzutreten. In Sparkassen wird die Erhöhung es SSZ-Volumens ganz klar abgelehnt. Die ver.di-Mitglieder in Sparkassen haben bei einer Befragung die Ablehnung von Leistungsentgelterhöhung anstelle von Tabellengehaltssteigerung an Rangplatz 1 gesetzt! ver.di kann sich dagegen nur einen Tarifabschluss mit Einbeziehung der ausgelaufenen Bewährungs-/Zeitaufstiege vorstellen.
Fazit: wir liegen weit …weit auseinander!
Eine Verlängerung der Altersteilzeit ist auch abgelehnt worden. Daran bestehe kein Interesse (mehr); aus Sicht des Bundes ist eher über Wege nachzudenken, die das Arbeiten über das 67igste Lebensjahr hinaus gewährleisten! Das ist schon eine hammerharte Ansage, oder? Den Bedürfnissen der Menschen wird Altersteilzeit gerecht: Bei unserer Mitgliederbefragung in Sparkassen steht die Verlängerung der ATZ an Rangplatz 2!
Über die Übernahmeforderung von ver.di könne man zwar reden, aber wer über Bedarf ausbilde, könne nicht noch zur Übernahme verpflichtet werden.
Über andere nicht für Sparkassen relevante Aspekte berichte ich hier nicht, nur soviel: alles abgelehnt.
Eines wird in dieser Tarifrunde immer deutlicher, was uns diesjährig und die nächsten Jahre zunehmend beschäftigten wird: Unsere ver.di-Tarifpolitik soll gezwungen werden, der Logik der leeren Kassen und des Schuldenabbaus (Schuldenbremse) zu folgen und bei den Beschäftigten zu sparen. Gleichzeitig verzichtet der Bund wie die Kommunen auf Steuereinnahmen durch Steuersenkungspolitik bzw. bedient lieber bestimmte Klientel wie das Hotelgewerbe.
Dieser „Logik“ dürfen wir nicht folgen. Heute schon weiß ich: Diese Tarifrunde wird konfliktreich werden!
ver.di-Forderungen im Überblick: • 5%-Forderungspaket (Die ver.di-BTK öD hat ein Forderungspaket im Volumen von 5% beschlossen. Mit diesem Volumen sollen die Erhöhung der Entgelte sowie Ausbildungsvergütungen UND weitere TVöD-Forderungen finanziert werden.)
Im Einzelnen: o Gehalts-/Ausbildungsvergütungen mit einer nachhaltig sozialen Komponente o TV –Altersteilzeit verlängern o Bewährungs-/Zeit- und Tätigkeitsaufstiege sowie die Vergütungsgruppenzulagen wiedereinführen; Erhöhung der Garantiebeträge bei Höhergruppierungen o Fahrplan zur neuen Entgeltordnung und Angleichung Ost o Übernahme der Azubis verbindlich absichern, mindestens für 24 Monate o Sonderforderungen u.a. zur Tarifpflege und spezieller Tarifverträge im öD
Für Heute grüßt Euch Euer TimoTarif
2010-01-13 1.Verh Übersicht Rangfolge Mitgliederbefragung Sparkassen.ppt
Kommentare
Ich denke Ja. Machen wir uns nichts vor. Das Staatssäckel war leer, ist leer und wird leer bleiben. Ich bin lange genug dabei, um das Argument leerer Kassen nicht schon oft genug gehört zu haben. Und wenn die Säckel leer sind, wo bitte schön kommt dann das Geld für die Steuersenkungen her? Für Hoteliers war Geld übrig, für uns auch?
Der Staatshaushalt ist marode, überschuldet, das ist richtig. Aber ob wir Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst die richtigen sind, um ihn zu sanieren, bezweifle ich. Wie lange wollen wir Verzicht üben? Zwei Jahre? Glaubt jemand ernsthaft, dass in zwei Jahren die Finanzprobleme des Bundes oder der Gemeinden gelöst sind, wenn die grundgesetzliche Schuldengrenze zu einem ausgeglichenen Haushalt zwingt? In zwei Jahren mag die Konjunktur wieder laufen, und die anderen Gewerkschaften können vielleicht angesichts von Rekordgewinnen wieder hohe Abschlüsse erreichen, aber wir werden dann wieder mit den knappen Kassen konfrontiert und zum Verzicht gedrängt.
Wir müssen den Arbeitgebern klar machen, dass das wenige Geld, was da zu sein scheint (sonst würde nicht von zukünftigen Steuersenkungen geträumt), zu einem gewissen Teil auch uns zufließen muss. Dafür müssen wir kämpfen, dafür müssen wir auf die Straße.
In der derzeitigen wirtschaftlichen Lage "vernünftig" zu sein und Verzicht zu üben, wie Marco vorschlägt, bedeutet für mich im Unkehrschluss, dass die Arbeitgeber in besseren wirtschaftlichen Zeiten auch entsprechend "vernünftig" sind und von sich aus spürbare Gehaltssteigerungen anbieten. Ich kann mich nicht daran erinnern, das die Arbeitgeber in den letzten Jahren bei Tarifverhandlungen einen Abschluss großzügig und ohne den Hinweis auf leere Kassen getätigt haben.
Wenn die Haushalte konsolidiert werden sollen/müssen, ist das die Aufgabe aller Bevölkerungsschichten und nicht nur eine Aufgabe der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst.
Deshalb finde ich es jetzt gut, dass durch die Warnstreiks aufgezeigt wird, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im ÖD sehr wohl systemrelevant sind! Ohne die geht nämlich in diesem unserem Lande gar nichts mehr! Ohne HypoRealEstate wäre es locker weitergegangen!





