Freitag 11. Januar 2008

Auftakt Tarifrunde 2008: Welten zwischen ver.di- und Arbeitgebervorstellungen

Fasse ich meine Eindrücke von der zweitägigen 1. Verhandlungsrunde zusammen, so kann ich nur sagen: da liegen WELTEN zwischen den ver.di Forderungen und dem was die Arbeitgeber wollen. Ver.di hat offen und klar gesagt, was die Beschäftigten wollen. Wir zeigen uns auf „freiem Feld“. Die Arbeitgeber sitzen aber noch in irgendwelchen Büschen und lassen versteckt, wo sie mit uns möglicherweise mitgehen werden.

Die wichtigste Masche (oder Taktik) der Arbeitgeber haben wir in ver.di schnell durchschaut: Eine „gewisse“ Gehaltserhöhung soll es laut Arbeitgebertenor schon geben, aber die sollen die Sparkassenbeschäftigten wie die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes möglichst selber bezahlen. Wie das geht? Mit der Forderung der VKA nach einer Wochenarbeitszeiterhöhung. Diese verbilligt natürlich die Arbeit! Unser ver.di Vorsitzender Frank Bsirske hat es in der abschließenden Pressekonferenz deutlich gesagt: ver.di will eine deutliche lineare Gehaltserhöhung! Was wir nicht mitmachen ist Roßtäuscherei, die vorliegt, wenn eine lineare Erhöhung in die linke Tasche fließt und aus der rechten Tasche sie uns wieder weggenommen wird. Also klare Kante: Es muss nach Jahren des Reallohnverlustes endlich eine Ende des Verzichtes signalisiert werden.

Nun in aller gebotenen Kürze der Reihe nach zu den einzelnen Forderungsaspekten:

Die lineare Erhöhung von 8% und der Mindestbetrag von 200 EURO ist gut im öffentlichen Dienstbereich finanzierbar. 187 Mrd EURO Steuereinnahmen stehen dafür und ein demnächst ausgeglichener Bundeshaushalt. Für die Sparkassen ist die ver.di Forderung allemal finanzierbar und selber haben viele Sparkassenvorstände viel kräftiger zugelangt. Die Arbeitgeber sehen dagegen keinen Nachholbedarf und die soziale Komponente fördere nur weitere Privatisierungen.

Der Topf für die leistungsorientierte Bezahlung soll aufgestockt werden- selbstverständlich aus dem Erhöhungsvolumen, so möchten es die Arbeitgeber. NICHTS mehr in diesen Topf, halten wir dagegen. Im öffentlichen Dienst müssen erst einmal die Einführungsbedingungen evaluiert werden, bevor weiteres Geld in eine „black box“ gefüllt wird. Als Sparkassler kann ich diese Auffassung nur teilen. Wir haben schon ein Gehalt in der variablen Verteilung, das reicht. Jetzt soll erst mal alles in die Tabellengehälter rein, jawohl!

Wie steht`s mit den Problemlösungen aus der Tarifreform? Die offenen „Restanten“ sollen zwar in ein Ergebnis einbezogen werden, aber dies ist für die Arbeitgeber wieder untrennbar mit der Erhöhung der Wochenarbeitszeit verbunden. Da sag ich mal: Hier mischt die VKA ohne innere Logik sachfremde Zusammenhänge zusammen. Und wenn es um die Verlängerung der Überleitungsbedingungen (Bewährungsaufstiege, Zeitaufsteige und Vergütungsgruppenzulagen liefen Ende 2007 aus) geht: Die soll es so nicht für alle Beschäftigten geben. Dies wäre ein ( völlig unterschätzter) „Hammer“ für die kommenden Verhandlungen zur Entgeltordnung! Dann würden 100.000ende Beschäftigte von bisher erwarteten Gehaltsentwicklungen über die Aufstiege abgekoppelt werden. Eine schwere Hypothek für die weiteren Verhandlungen!

Zu den Auszubildenden äußerten sich die Arbeitgeber bisher nicht. Wir aber! Für den Berufsnachwuchs müssen die Bedingungen verbessert werden (Stichwort Fachkräftemangel). Dazu gehört die Übernahme und zwar unbefristet auf Vollzeitstellen nach der Ausbildung, 120 EURO mehr und natürlich die volle Anpassung Ost an West rückwirkend ab 1.1. 2008.

Anpassen!, abkoppeln?, aufpassen!- wäre mein Motto, wenn es um die Anpassung Ost an West geht. Endlich ist klar, dass die Sparkassenbeschäftigten im Tarifgebiet Ost 100% Westniveau ab 1.1.2008 haben werden. HEUTE, am 11.1.08 wurden die notwendigen Tarifverträge dafür unterschrieben. Aber wir müssen doch aufpassen! Wollen die Arbeitgeber etwa die jetzt verhandelte Gehaltserhöhung im Tarifgebiet Ost dann aussetzen oder erst viel später zahlen und so doch wieder abkoppeln??? Bleiben wir auf der Hut!

Soweit aus Potsdam, dem Verhandlungsort. Schönes Wochenende wünscht Euer TIMO!

neutral
Rubrik: Sparkassen
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Kommentare

 
Werner Otten · Mittwoch 16. Januar 2008 · 10:28
Hallo Kolleginnen und Kollegen,
die Informationen aus der Auftaktrunde zu den Tarifverhandlungen sind für uns ver.di-Mitglieder sehr wichtig; hier können wir uns über den Stand der Verhandlungen auch aus Sparkassensicht ein besseres Bild machen.
Ich muss hier aber eine Kritik anbringen, weil die Info die Problematik Ost/West nicht voll weiter gibt: Es wurde zwar ein Tarifvertrag zur Westanpassung für die Kolleginnen und Kollegen in den Ostsparkassen abgeschlossen (warum eigentlich - bereits im Tarifvertrag 2003 war das enthalten? Das ist also aus meiner Sicht kein Erfolg), hier wurde aber vergessen zu sagen, dass die Vereinbarung nur für die Kolleginnen und Kollegen der unteren Vergütungsgruppen gilt. Über die anderen KollegInnen ist hier noch kein Erfolg erzielt worden. Das gilt auch für die Azubis. Wir kämpfen aber für die Angleichung zum 01.01.2008 für alle!
Ich finde hier auch keine Aussagen für die bereits vielen Outsourcing-Betriebe, die es insbesondere im Osten aber auch in anderen Regionen gibt; haben wir diese Kolleginnen und Kollegen etwa bereits ganz aufgegeben? Zumindest sollte hier versucht werden, eine allgemeine Anlehnung an den TVöD-S mit möglich hohen Standards zu erreichen!
Im Übrigen reden wir im Osten nicht nur über die Mobilisierung von SparkassenmitarbeiterInnen im Tarifkonflikt; wir haben in einer beeindruckenden Demo am 09.01.2008 in Plauen mit über 1.100 Teilnehmern bereits bewiesen, dass wir kampfkräftig sind. Weitere derartige Veranstaltungen sind bereits in Vorbereitung.
MfG Werner
 
Susanne · Dienstag 20. Juli 2010 · 23:00
Sehr interessant, das selbe Problem finden wir derzeit im Dienstleistungssektor. Ich hoffe auf Besserung hier in Stuttgart.
 
Mandy · Samstag 15. Januar 2011 · 20:58
Das Problem bei uns in Zittau ist auch schon eine Weile bekannt. Hier findet man mehr Infos dazu.
 
peter · Donnerstag 3. Februar 2011 · 09:36
Ich habe gerade auf der ver.di-Seite gelesen, daß die Postbänker mal wieder einen guten Abschluß hingelegt haben (ab 04/2011 2,2% und ab 04/2012 nochmals 2,4%). Dies alles nach 4% in 2009 und 3% in 2010. Da kann man als Privatbanker ja echt das Heulen kriegen. Wer kann mich mal darüber aufklären, wie hoch in diesem Zeitraum (2009 bis 2012) die Tariferhöhungen im privaten Bankgewerbe sind ? Ich denke, bei weitem nicht bei den 11,6 % von der Postbank, oder ? Kann es vielleicht sein, daß die letzten Abschlüsse im privaten Bankgewerbe miserabel waren ? Ich bin sicher, der nächste Abschluß im I Quartal 2012 wird wieder schlecht, da es dann mit der wirtschaft ja wieder leicht bergab geht.
 
Achim aus Berlin · Donnerstag 17. März 2011 · 14:44
@peter
das liegt vielleicht daran, dass wir Privatbanker zwar "heulen", wenn wir die anderen Abschlüsse sehen, uns aber oft nicht genügend einbringen. Tariffragen sind Machtfragen!

Bei der Postbank gibt es einen ernormen Organisationsgrad und eine große Bereitschaft sich an Aktionen bis zu Streiks zu beteiligen.

Dadurch reicht schon die Androhung von Streiks und einige gut besuchte Aktionen, um gute Abschlüsse zun erreichen!
 
Wiegand · Mittwoch 7. Dezember 2011 · 19:48
Das klingt nach ner großen Schweinerei in meinen Augen. Und zum Thema Besserung: Das seh ich so noch nicht.
 

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