2 Jahre ohne Tarifabschluss sind genug!
Mir macht das Spaß. Es finden eine Menge Aktivitäten statt. Heute musste ich mich sputen. Erst war ich am Morgen in Frankfurt bei der Betriebsversammlung der DZ Bank, bei der es sehr zentral um die Tarifrunde ging. (Übrigens, wann ist Eure Betriebsversammlung dazu?) Und dann musste ich mich nach Hannover beamen, wo eine Protestaktion beim Genoverband Nord stattfand.
Der ver.di-Geno-Rat Niedersachsen hat eine „Neue Initiative für einen Gehaltsabschluss in den Genossenschaftsbanken“ ins Leben gerufen. Unter der Überschrift „2 Jahre ohne Gehaltstarifvertrag sind genug!“, wurde kurzfristig die Postkartenaktion „Arbeiten ohne Tarifabschluss ist wie Fußball ohne Regeln!“ gestartet
Ein erstes Signal der Genossenschaftsbankangestellten aus Hannover und Niedersachsen erreichte den AVR am Montag, den 2. Juni, um 12.30 Uhr. Mehr als 1.000 Angestellte von Volks- und Raiffeisenbanken haben die Postkarten der „Neuen Initiative“ innerhalb nur einer Woche unterzeichnet. Abordnungen aus den vier hannoverschen Geno-Banken (Hannoversche Volksbank, Sparda-Bank, Apotheker- und Ärztebank und DZ BANK) übergaben die Postkarten am Montag im Rahmen einer Protestveranstaltung direkt beim Genossenschaftsverband in Hannover.
Das Foto zeigt Christoph Meister (Landesfachbereichsleiter) und Rüdiger Beins (Tarifkommission) bei der Übergabe der Karten an Herr Schröder (Genossenschaftsverband). Die Kolleginnen und Kollegen aus der DZ Bank hatte ihre Karten optisch auffällig auf eine Perlenschnur gereiht.
Tarifaktionen laufen an
Hey Leute, das hat Spaß gemacht. Am Dienstag war ich in Hannover bei der DZ Bank. Die dortige Betriebsgruppe hat Unterschriften gesammelt für einen Tarifabschluss bei den Genossenschaftsbanken. Wie ich beobachten konnte, haben bis auf einen alle anderen Beschäftigten unterschrieben. Die Karten will die Betriebsgruppe – zusammen mit den Karten aus anderen Banken aus Hannover und Umgebung am 2. Juni dem AVR übergeben. In Hannover sitzt mit Herr Dargatz ein Mitglied der Verhandlungsdelegation beim Genoverband Nord!
Das Bild oben zeigt die Mitglieder der Betriebsgruppe DZ Hannover. Das Bild unten zeigt die Demonstration der Bayern am 28.5.
Die Oberbayern haben ihrem Verband bereits am Mittwoch einen Besuch abgestattet. Am Mittwoch waren ca. 80 Betriebsräte vor dem Haus des Genoverbandes Bayern und übergaben Herrn Althanns eine Resolution für einen Tarifabschluss bei den Genossenschaftsbanken. Gute Stimmung herrschte und allen war klar, dass es am 4. Juni bei der nächsten Verhandlungsrunde zu einem Abschluss kommen sollte. Ansonsten müsse man sich eben wieder treffen. Und dann noch ein paar Leute mehr mitbringen!
Und bitte denk dran: Wenn Ihr bei Euch was macht, informiert mich. Ich berichte hier sehr gerne!
Hier unten kannst du dir die Vorderseite der Karte runterladen!
NsB 080429 Postkarte Initiative.pdf
Streik bei der VR Bank Westmünsterland
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
heute morgen hieß es ganz besonders früh aufstehen. Um 7 Uhr war ich heute Morgen schon bei der VR Bank Westmünsterland in Dülmen. Die Beschäftigten der dortigen Dienstleistungs- und Beteiligungs GmbH streiken seit Donnerstang dem 15.05. unbefristet für einen Haustarifvertrag. Im November 2005 wurden die ca. 70 Beschäftigten aus der Bank ausgegliedert. Die Technischen Dienste (Hausmeister und Boten) aber auch der Zahlungsverkehr, die Back-office-Bereiche rund ums Konto wurden aus den Filialen heraus in diese eigenständige Gesellschaft eingegliedert. Leider wurde diese GmbH nicht Mitglied im Arbeitgeberverband. Weshalb den Beschäftigten der Tarifvertrag mit dem AVR verweigert wird.
So haben die Beschäftigten seit Sommer 2005 keine Gehaltsanhebung mehr bekommen. Neueingestellte oder nachträglich aus der Bank übergewechselte Beschäftigte erhalten nicht mehr die Vergütung nach TG 5 o.ä. sondern mit 2.000,- Euro monatlich (und das ohne 13. Gehalt) eine deutlich schlechtere Bezahlung. Der Urlaub wird nicht in Arbeits- sondern Werktagen gezählt. Da so der Samstag mitzählt, werden aus 6 Wochen schnell mal 5 Wochen Urlaub. U.v.a.m.
Die Beschäftigten wehren sich gemeinsam mit ver.di. Eine Tarifkommission wurde gegründet, Forderungen erhoben, nach einigen Warnstreiks dann sogar verhandelt. Leider zeigte sich die Geschäftsführung der GmbH bis heute unnachgiebig! Deshalb wurde nach einer Urabstimmung (mehr als 75 % der ver.di-Mitglieder stimmten für den Arbeitskampf) schließlich der unbefristete Streik ausgerufen.
Die Stimmung ist gut! Entschlossen treten die Kolleginnen und Kollegen für eine faire Bezahlung und Anerkennung ihrer Arbeit ein.
Aber die Kolleginnen und Kollegen könnten Ihre Unterstützung gebrauchen. Äußern Sie sich doch bitte hier, mit Hilfe eines Kommentars zu diesem Beitrag!
Tarifrunden im Bankgewerbe eröffnet
Ver.di will sichere Arbeitsplätze!
Keine Atempause! Kaum ist die Tarifrunde im Öffentlichen Dienst, also auch bei unseren Sparkassen-KollegInnen beendet, geht es in die nächste Auseinandersetzung. Bei den Banken, genauer den privaten und öffentlichen einerseits und den genossenschaftlichen andererseits, ist die Tarifrunde 2008 mit der Sitzung der Tarifkommissionen am 8. Mai in Hannover eröffnet.
Die Forderungen sind beschlossen. Verhandlungstermine sind vereinbart:
• für die Genossenschaftsbanker am 20. Mai und 4. Juni
• und für die privaten/öffentlichen Banken am 19. Juni, am 1. und 22. Juli.
Natürlich werde ich an dieser Stelle immer wieder über die wichtigen Termine und Geschehnisse berichten. Aber das kennt Ihr ja inzwischen von mir.
Die Tarifkommissionen haben in Hannover dreieinhalb Stunden intensiv beraten, rund 75 Personen aus allen möglichen Banken und aus der gesamten Republik! Ihr könnt Euch vorstellen, dass das insbesondere für die KollegInnen aus dem Süden eine starke Belastung war, sind sie doch am sehr frühen Morgen losgefahren und noch am selben Tag wieder nach Hause gefahren.
Die Forderungen:
• Die Gehälter und Ausbildungsvergütungen aller Banker sollen um 8 % (die Gehälter mindestens um 260 Euro) angehoben werden. Wirksam werden sollen die Anhebungen bei den Genossen ab 1.6.08 und bei den privaten und öffentlichen Banken ab 1.7.08. Wir streben jeweils eine Laufzeit von 12 Monaten an.
Da die Genossenschaftsbanker ja seit 2006 ohne Gehaltstarifvertrag sind, will ver.di den Arbeitgebern anbieten, die freiwilligen Anhebungen von 2,3 % zum 1.8.06 und 2 % zum 1.8.07 zu tarifieren und ab 1.1.08 eine Vorweganhebung um 0,2 % zu realisieren.
• Der Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen steht für die Tarifkommissionen ganz oben auf der Verhandlungsliste. Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen sehr deutlich, dass diese Forderung von vielen Beschäftigten geteilt wird. Dazu gehört aber auch, dass wir die Öffnungsklausel zur Beschäftigungssicherung und die Vorruhestandsregelung verlängern möchten. Auch die tarifliche Ausbildungsinitiative soll verlängert werden.
• Ebenfalls weit oben die Forderung nach einem Tarifvertrag zur Begrenzung des Leistungsdrucks in den Banken und zum Gesundheitsschutz. Hier hatten wir ja bereits 2006 einen Tarifvertragsentwurf vorgelegt. Wir sehen uns u.a. durch die Studie der DAK zur Belastungssituation im Bankgewerbe bestätigt.
• Schließlich konkretisieren wir unsere Forderung nach einer betrieblichen Alterssicherung. Der Arbeitgeber soll verpflichtet werden, mindestens 1,75 % des Jahresgehaltes in die Altersvorsorge der Beschäftigten zu investieren.
Nicht leicht gemacht hat es sich die TK mit den Forderungen zu einem Weiterbildungs-Tarifvertrag und zu einer konsequenteren Förderung der Teilzeit bzw. insbesondere der Förderung der Wiedereingliederung nach Elternzeit! Für wie wichtig wir diese Forderungen auch halten, angesichts der Themenfülle haben wir gemeinschaftlich festgestellt, dass wir uns in diesem Jahr auf die anderen Themen konzentrieren müssen.
In unseren Diskussionen haben wir festgestellt, dass die Beschäftigten in den privaten und öffentlichen Banken einerseits und den Genobanken andererseits unter sehr ähnlichen Umständen leiden:
• die Sorge um die Sicherheit des Arbeitsplatzes
• der ständig zunehmende Leistungsdruck
• die Sorge um die auskömmliche Rente
• die Tatsache, dass die Inflation in den vergangenen Jahren tiefe Löcher in die Kaufkraft der Familien gerissen hat.
Deshalb haben die Tarifkommissionen auch fast identische Forderungen erhoben. Lasst uns sehen, wie wir gemeinsam daran arbeiten, diese Forderungen in einen Tarifabschluss umzusetzen!
Ein Flugblatt zu den Forderungen wird euch unmittelbar nach Pfingsten zur Verfügung stehen. Verteilt es bitte an alle Beschäftigte. Stellt die Forderungen auf Betriebsversammlungen in den nächsten Wochen vor. Wir müssen davon ausgehen, dass die Arbeitgeber nicht nur diese Forderungen ablehnen (das haben sie in den letzten Jahren schon getan), wir befürchten, dass die Arbeitgeber ihrerseits massive Verschlechterungen des Tarifes beabsichtigen. Wir müssen uns also mit dem Gedanken vertraut machen, für einen guten Tarifabschluss auf die Straße zu gehen, ähnlich, wie es uns die Versicherer, die Sparkässler und die Beschäftigten vieler anderer Branchen bereits vorgemacht haben.
Bitte beachte auch meinen Beitrag von heute zu dem Gespräch zwischen ver.di und dem AVR (Arbeitgeberverband der Volks- und Raiffeisenbanken) zum Erfahrungsaustausch zum Tarifvertrag Leistungsvergütung!
Erfahrungsaustausch?
Die etwas andere Begegnung der unverschämten Art
In Vorbereitung der Tarifrunde hatten die beiden Verhandlungsführer von AVR, Herr Axel Lekies – Vorstandsmitglied der Volksbank Herrenberg-Rottenburg - und ver.di, Uwe Foullong, vereinbart, dass es einen Austausch der bisherigen Erfahrungen mit der tariflichen LEV-Regelung geben solle. Dieser Austausch ist einerseits in dem Tarifabschluss von 2003 vorgesehen, andererseits aber insbesondere dann nötig, wenn eine Seite diese Regelung wesentlich ausdehnen will, wie der AVR, der Arbeitgeberverband der Volks- und Raiffeisenbanken, dies ja bekanntlich vor hat.
Ein Treffen, das diesem Zweck dienen sollte, fand am 7.5. in Berlin statt. Und was da abging war schon bizarr: Da eröffnete die Geschäftsführerin des AVR, Frau Annette Kaiser, mit dem Bemerken, der Austausch sei von ver.di angeregt worden, der AVR hätte ja bereits 2005 und 2006 seine Zahlen zur Anwendung auf den Tisch gelegt. „Dann machen Sie mal.“ hieß es sinngemäß.
ver.di hat dann sehr intensiv über die Problemfelder berichtet und dies nicht nur abstrakt vorgetragen, sondern alles auch mit betrieblichen Beispielen unterlegt. Vom AVR kam nichts! Da wurde zwar hinterfragt und Meinung geäußert, aber Erfahrungen kamen von der Seite nicht auf den Tisch. Und das lag nicht nur daran, dass zwar auf ver.di-Seite vier Banker am Tisch saßen, auf AVR-Seite aber keiner!
Wir hatten den Eindruck, dass der AVR an den Erfahrungen auch gar nicht wirklich interessiert ist. Denn, so die Aussage des AVR: die Tarifparteien setzen nur die Rahmenbedingungen für betriebliche Regelungen. Aus der Logik des AVR heraus ist es allein Sache von Vorstand und Betriebsrat, wie diese im Betrieb umgesetzt werden, die Tarifparteien dürften sich da bewertend nicht einmischen. Außerdem hätte der AVR in seinen Schriften und Broschüren darauf hingewiesen, dass Voraussetzung für die Einführung einer LEV eine gut entwickelte Führungs- und Gesprächskultur, sowie das Vorhandensein von richtig gelebten Zielvereinbarungssystemen wie auch von Tools zur Ermittlung der Zielerreichung seien. Dass dies aber in kaum einer Genobank existiert, interessiert den AVR nicht! Dafür sei er nicht verantwortlich.
Ver.di hat folgende Problembereiche identifiziert:
• Zielvorgabe oder Zielvereinbarungen - in vielen GenoBanken herrscht eine Kultur, die echte Zielvereinbarungen ausschließt
• Ziele operationabel machen - im Back-Office sind Ziele schlecht zu definieren, selbst im Vertrieb stehen manche Daten nicht zur Verfügung
• der Aufwand ist groß - großer Gesprächsbedarf auf allen Ebenen, händische Ermittlung von Daten
• Motiviert der Bonus? - Steuerungswirkung ist unklar
Die Folge dieser Probleme ist, dass in den Belegschaften die Akzeptanz für eine LEV Regelung nicht vorhanden ist. Eine ganze Reihe von Belegschaften hat die Einführung einer LEV-Betriebsvereinbarung abgelehnt. Vorstände, die eine LEV einführen wollen, provozieren damit Ängste in den Belegschaften. Die Beschäftigten fühlen sich mit einer LEV unter einen zu starken Leistungsdruck gestellt, weil sie die Ziele nicht erfüllen könnten. Schließlich führt das System leicht zu Falsch- oder Schlechtberatung und damit dann zu Zeitungsartikeln über schlechte Beratungsqualität, die sich gerade die Genossenschaftsbanken nicht leisten könnten.
In der anschließenden Diskussion fiel insbesondere auf, dass Frau Kaiser mehrfach meinte, insbesondere die Kolleginnen der ver.di-Delegation unterbrechen zu müssen. „Frau Widzinski, nun holen Sie mal Luft“, oder „Nachdem Herr Beins jetzt stundenlang geredet hat…“ waren nur einige der Nettigkeiten!
Wenn wundert es, dass wir uns unter diesen Umständen nicht auf eine gemeinsame Einschätzung der Erfahrungen einigen konnten. Wie weit die Positionen auseinanderliegen, illustriert die Tatsache, dass Veronika Linnemann von der Volksbank Münster darauf verwies, dass uns viele Betriebsräte auffordern, den Variabilisierungsspielraum der LEV auf keinen Fall zu erhöhen, wenn nicht sogar den TV LEV zu kündigen, während die AVR-Vertreter verdeutlichten, dass sie an ihren Forderungen (Ausdehnung des Risikos bei der LEV auf 16 % und ertragsabhängige Variabilisierung des 13. Gehaltes) festhalten.
Wie das in der Tarifrunde zu einem Kompromiss kommen soll, bleibt völlig offen!
Ich fände es toll, wenn Ihr Euch hier auch mal zu dem Thema äußern würdet. Damit auch hier im Blog die Meinung der Beschäftigten klar wird!
Bitte beachte auch meinen Beitrag zu dem Auftakt der Tarifrunden im genossenschaftlichen sowie im privaten/öffentlichen Bankgewerbe!





