28 Tage im Streik – ununterbrochen!
Heute ist der 28. Streiktag im Münsterland. Gestern haben die Streikenden einstimmig beschlossen, auch die nächsten Wochen zu streiken. Bis es ein greifbares Ergebnis gibt!
Was passiert da in diesem kleinen gallischen Dorf Dülmen? Vor über einem Jahr ging die Sachen los mit der Gründung der Tarifkommission und der Aufforderung an die Geschäftsführung zu Verhandlungen. Es dauerte Monate, bis es zu einem ersten, sehr unergiebigen Gespräch des Verhandlungsführers Mark Roach und der Geschäftsführerin Frau Schrage kam. Danach wieder warten. Endlich, Ende Januar kamen beide Parteien zu einer ersten Verhandlungsrunde zusammen. Anfang April dann die zweite Runde, die mit dem Scheitern endete! Nicht ver.di hat das Scheitern erklärt, sondern die Arbeitgeberseite, die es damals nicht akzeptieren wollte, dass die KollegInnen, die aus der Bank übergegangen waren und seit Sommer 2005 keine Gehaltsanhebung bekommen hatten, jetzt mehr Geld bekommen sollten! Und sie wollten nicht akzeptieren, dass ver.di auch für neueingestellte Beschäftigte (und zukünftige) einen Haustarif abschließen wollte.
Es folgte ein erster Tagesstreik und schließlich die Urabstimmung. Seit dem 15. Mai streiken die KollegInnen inzwischen unbefristet. Das sich am heutigen Dienstag 28 Tage hintereinander! Kann sich das jemand von einem normalen Volksbanker vorstellen? Ich kaum!
Am 10. Mai. gab es ein Sondierungsgespräch, bei dem sich eine Annäherung abzuzeichnen schien. Ver.di hatte deshalb die Vorstellungen präzisiert und vorgeschlagen, gemeinsam einen Schlichter anzurufen. Die Arbeitgeber-Seite dazu: „Erscheint mir ein gangbarer Weg.“ Aber, sie brauchten zwei Tage Bedenkzeit. Nach dieser Bedenkzeit dann die kalte Dusche, in dem ver.di mitgeteilt wurde, man könne zwar verhandeln, aber nur ohne Schlichter.
Die ver.di-Tarifkommission mochte es kaum glauben. Was ist denn am Schlichter auszusetzen. Der Verdacht: man wolle die Beschäftigten nur hinhalten. Weiter täuschen, tricksen, verzögern. Um es der Gegenseite nicht ganz so einfach zu machen, die nächste Alternative: ver.di würde weiter sondieren, wenn die AG-Seite schriftlich das Ergebnis der Sondierung als Verhandlungsgrundlage (ohne Schlichter) akzeptierte. Wieder ein NEIN!
Daraufhin hat ver.di den Schlichter selbst, alleine angerufen. Übrigens: ein von der Landesregierung NRW bestellter Schlichter, der auf der Grundlage eines Gesetzes von 1946 in offizieller Mission tätig wird. Dieser Schlichter kam folglich in der vergangenen Woche auch in die Bank und sprach mit der Geschäftsführung der GmbH und mit den Streikenden. Das Ergebnis wurde ver.di dann am Freitag kurz vor Ablauf der Frist um 15.00 von der Geschäftsführung mitgeteilt. Nein, diesen Schlichter würde man ablehnen, stattdessen einen anderen vorschlagen.
Aber so leicht gibt sich der Landesschlichter NRW nicht geschlagen. Er hat inzwischen offiziell zu einem Termin geladen. Ver.di ist bereit, diesen Termin wahrzunehmen! Ver.di ist gespannt, wie sich die Arbeitgeber-Seite nun verhalten wird. Will sie sich wirklich mit der Landesregierung anlegen? Will sie neben den Beschäftigten und vielen Mitgliedern und Kunden nun auch die Regierung und damit sicher noch breitere Teile der Öffentlichkeit gegen sich aufbringen?
Heute, am 24.6., ab 16.30 in Coesfeld, findet die Vertreterversammlung der VR-Bank Westmünsterland im Konzert-Theater statt! Grund genug für die Streikenden auch dorthin zu gehen und die Vertreter gebührend zu empfangen!
Meine Bitte an Euch: Unterstützt die KollegInnen bei Ihrem Streik. Schickt Protestmails an
VR Westmünsterland, z.Hd. Herrn Dr. Baecker, Telefax Nr. : 02861/8006 1200 Kopie an claudia.soering@vr-bank-westmuensterland.de, das ist die BR-Vorsitzende der GmbH und Mitglied der Tarifkommission. Und äußert euch hier. Denn es ist nicht auszuschließen, dass dieses Beispiel Schule machen soll. Schließlich haben Herr Dr. Baecker und Frau Schrage ihr „Geschäftsmodell“ am 9.+10.Mai in Montabaur vor mehreren Hundert Volksbankenvorständen vorgestellt!
„Nicht vorstellbar“
Das ist ein Zitat, das wir öfter als Reaktion auf unsere Forderungen hörten. Aber es ist auch die Zusammenfassung dessen, was die ver.di-Verhandlungskommission (oben im Bild) am heutigen 19.6. erlebte. Freundlich im Ton, aber knallhart in der Sache gaben sich die Arbeitgeber!
Sollen die Beschäftigten der Banken die Verluste aus der Subprime-Krise ausgleichen? Den Eindruck konnte man in der ersten Verhandlungsrunde mit den privaten und öffentlichen Banken gewinnen. Was wurde gejammert! „Die Talfahrt der Subprime-Krise ist noch nicht am Ende“ und „von Entwarnung könne keine Rede sein“ waren zentrale Aussagen der Arbeitgeber zu den Wünschen der Beschäftigten nach einer deutlichen Gehaltsanhebung! Ihre Begrifflichkeiten waren „moderat“ und „maßvoll“. Und: „Ein Ausgleich der Inflationsrate ist nicht Aufgabe der Unternehmen!“ hieß es, eine Anhebung von 8 %, wie von ver.di gefordert, sei nicht vorstellbar!
Aber damit nicht genug: Die Gehälter im Vertrieb sollen flexibilisiert werden! Und dabei geht es den Arbeitgebern nicht nur um eine Ausweitung der LEV (Leistungsvergütung) sondern auch um die Berufsjahresstaffel bzw. das Gehaltssystem als solches! Im europäischen und weltweiten Vergleich seien die deutschen Banken viel zu teuer.
Zum Gesundheitsschutz wurde uns gesagt, dies sei ausschließlich Aufgabe der Banken und nicht im Tarif zu regeln.
„Nicht vorstellbar“ sei auch der Ausschluss der betriebsbedingten Kündigungen! „Die privaten Banken haben im vergangenen Jahr sogar zusätzliches Personal eingestellt!“ Die Ängste der Beschäftigten vor den anstehenden Superfusionen werden auf Arbeitgeber-Seite überhaupt nicht zur Kenntnis genommen.
Den Vorruhestand wollen die Arbeitgeber auslaufen laufen. Er soll sich in Zukunft rein auf Sozialpläne und den Rationalisierungsschutz beziehen. Sie sollen also keinen eigenen Anspruch mehr auf frühere Verrentung haben!
Auch bei den Auszubildenden sei jetzt Ende der Fahnenstange. Eine nochmalige Steigerung der Einstellungszahlen sei nicht mehr möglich. Eine Übernahmegarantie sei sowieso nicht drin!
Und schließlich: Das Thema Altersvorsorge sei in den Banken so gut geregelt, dazu brauche es keine Regelung im Tarif.
Andererseits wollen die Arbeitgeber zukünftig samstags öffnen können. Die bisherige Sonderregelung, die nur befristet war, soll jetzt dauerhaft gelten.
Fazit: Wir hörten auf alle unseren Fragen ein „NEIN!“ Dafür aber die Forderung nach dauerhafter Samstagsarbeit!
„Das wird eine sehr schwierige Tarifrunde, es wartet viel Arbeit auf uns!“, sagte Uwe Foullong, der ver.di-Verhandlungsführer. Ich seh es schon vor mir: Banker aus den Großbanken und Landesbanken treffen sich auf der Straße mit den Kollegen aus den Genossenschaftsbanken! Auf geht`s.
"Die Mutter" bebt
Na, das war eine Stimmung. Am 18.6. befasste sich die Betriebsräte-Konferenz der DZ Bank in Fulda mit dem skandalösen AVR-Tarifabschluss. (Das obere Bild zeigt die TeilnehmerInnen) Die Versammlung beschloss einstimmig, sich mit dem nachfolgenden Text an den Vorstand zu wenden. Heute soll der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Kirsch nach Fulda kommen und den Brief erhalten.
Ihr merkt: Es ist Stimmung im Laden!!! (Das untere Bild zeigt eine Aktion der Betriebsräte angelehnt an eine Werbekampagne von Akzent Invest, die sie bei Betriebsversammlungen einsetzen!) Resolution der Betriebsrätekonferenz am 18. / 19. Juni 2008 in Fulda
Tarifvertrag: JA
aber:
- Nicht dieser AVR/DBV/DHV-Billigabschluss und
- … nur mit ver.di
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Betriebsrätekonferenz sind tief enttäuscht und entsetzt darüber, dass der AVR einen Tarifabschluss mit zwei kaum verankerten Organisationen vorgenommen und die unbestreitbar dominierende Gewerkschaft der Angestellten im gesamten Bankgewerbe außen vor gelassen hat.
Die Höhe des „Gehaltsabschlusses“ festigt den seit Jahren stattfindenden Reallohnverlust der Angestellten in den Geno-Banken. Das kann vor dem Hintergrund der stark steigenden Preise nicht hingenommen werden. Wir haben schlichtweg mehr verdient!!!
Die Variabilisierung von Gehaltsbestandteilen über ein Gehalt hinaus ist unzumutbar. Die Möglichkeit das 13. Gehalt zu streichen, wenn eine Bank wirtschaftliche Probleme hat, ist ein weiterer Affront gegen die Beschäftigten. Tarifverträge haben noch kein Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht.
Als Skandal empfinden wir, dass Bankangestellte (Neueinstellungen, Übernahme nach der Ausbildung) bei den möglichen flexiblen Gehaltsbestandteilen (bis zu knapp 2 Gehältern von den 13 Tarifgehältern) dem Schutz der Mitbestimmung durch den Betriebsrat entzogen wer-den. Allein diese Regelung zeigt, in welche Richtung sich AVR/DBV/DHV die Zukunft des Tarifvertrages vorstellen.
ver.di hat die Interessen der Angestellten in den Genossenschaftsbanken – u. a. nach nega-tiven Erfahrungen mit der Einführung von Leistungs- und Zielvorgaben – in der Tarifforderung aufgegriffen und im Sinne der Beschäftigten verhandelt. Sprich: Eine weitere Ausdehnung des Variabilisierungsrahmens zu Lasten unserer Tarifgehälter lehnen wir ab.
Das mit den Organisationen DBV und DHV ausgehandelte Werk ist ein Vertrag zu Lasten Dritter und belegt den Tiefpunkt der vom AVR seit Jahren betriebenen Politik gegen die Angestellten in den Genossenschaftsbanken. Der AVR bringt mit einem solchen Vorgehen den Ruf des gesamten Verbundes in Misskredit. Der Genossenschaftssektor benötigt keine drittklassigen Tarifverträge, sondern visionäre Manager, die die Zukunftschancen ergreifen.
Die Motivation der Beschäftigen wird die entscheidende Rolle dabei spielen, wer zukünftig erfolgreich am Markt bestehen wird. Zielvorgaben, Verkaufsdruck, ständig steigender Leistungsdruck bei seit Jahren fallenden Reallöhnen sind kein Zukunftsmodell.
„Faire Beratung“ ist die Zauberformel für eine erfolgreiche Zukunft!
„Faire Tarifverträge“ für die Angestellten in den Genossenschaftsbanken sind der Schlüssel zum Erfolg!
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Betriebsrätekonferenz akzeptieren den Billigabschluss von AVR/DBV/DHV nicht. Wir werden ver.di mit aller Kraft unterstützen und uns für einen Tarifabschluss einsetzen, der den Namen verdient.
Wir fordern den Vorstand, insbesondere den Vorstandsvorsitzenden Herrn Kirsch und den Arbeitsdirektor Herrn Merz, auf, sich von dem unseriösen Vorgehen des AVR zu distanzieren und sich für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen mit ver.di einzu-setzen! Je länger es dauert, bis Verhandlungen mit ver.di aufgenommen werden, desto größer werden die Konflikte. Der Vorstand trägt die Verantwortung für die kommenden Maßnahmen.
Fulda, 18./19. Juni 2008
Skandalabschluss bei Geno-Banken – aber nicht von ver.di
Diese Nachricht traf uns wie ein Hammer. Ich saß im Zug von der Sitzung der Tarifkommission nach Hause, als uns diese Nachricht erreichte. (Hier übrigens ein Bild von der TK, die die Negativmeldung des Tages noch nicht kannte!)
Ja, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, es gibt einen Abschluss des AVR mit zwei Verbänden, DBV und DHV. Diese Verbände haben zwar kaum Mitglieder im genossenschaftlichen Bankensektor, aber der AVR will sie zu Gewerkschaften adeln.
Was sagt der Abschluss: Zunächst werden die „freiwilligen Anhebungen“ der Genobanken tarifiert: 2,3 % zum 1.8.06 und 2 % zum 1.8.07 Dann gibt es eine neue Anhebung zum 1.9.08 um 3 % und eine weiter um 2 % zum 1.11.09. Der Tarifvertrag läuft damit insgesamt 50 Monate, also vom 1.6.06 bis zum 31.7.2010.
Damit alle diesen „Abschluss“ auch richtig würdigen können: auf die Gesamtzeit von 50 Monaten berechnet ergibt sich ein wirkliche Erhöhung von 7,03 %. Wollen wir nur die Anhebung ab jetzt (also ab 1.6.08) berechnen, ergibt sich ein Wert von 3,56 %. Diese Berechnung erfolgte nach der auch von den Arbeitgebern akzeptierten sog. Westrick-Formel!
Entscheiden Sie selbst. 3,56 % für die kommenden zwei Jahre!!! Pro ja also unter 2 %, bei einer Inflationsrate von 3 %!
Aber es kommt noch schlimmer. Die beiden Verbände akzeptieren in dem Abschluss eine ertragsabhängige Variabilisierung des kompletten 13. Gehaltes und eine Ausweitung des Spielraumes der LEV im Vertrieb gestaffelt auf bis zu 14 % - also fast 2 Monatsgehälter. Alle Anhebungen dehnen den Variabilisierungsspielraum aus!
Damit setzen sich die beiden Verbände in Widerspruch zu den Beschäftigten in den Genossenschaftsbanken!
Und: Der AVR betont, dieser Tarifabschluss gelte für alle Beschäftigten der Genobanken. Wir stellen fest: ver.di-Mitglieder sind gegen die negativen Wirkung geschützt! Wer will, dass das 13. Gehalt garantiert ist, wer Wert darauf legt, dass nicht mehr als 8 % des Gehaltes variabilisiert werden können, muss ver.di-Mitglied sein! Unser Tarifvertrag gilt nur noch für unsere Mitglieder. Unorganisierte müssen den DHV/DBV-Vertrag gegen sich gelten lassen.
ver.di wird sich weiter für einen anständigen Tarifabschluss einsetzen. Wir wollen nicht, dass Betriebsräte und Beschäftigte unter Druck gesetzt werden können. Ggf. werden Vorstände unseren Mitgliedern die neuen, aber auch die alten („freiwilligen“) Anhebungen der Gehälter (von 2,3 und 2 %) nur gegen die weitergehende Variabilisierungen gewähren wollen. Dieser Erpressung kann nur dadurch begegnet werden, dass die Beschäftigten mit uns einen echten Tarifabschluss erkämpfen!
Deshalb: wehrt euch mit ver.di gegen dieses Papier!
Wer sich schon mal über die beiden Verbände informieren will, sollte den folgenden Link zu einem Bericht der Fernsehsendung REPORT zum DHV anklicken: Zur Sendung http://www.swr.de/report/-/id=233454/did=3220422/pv=video/gp1=3373422/nid=233454/162hohz/index.html
Lekies: Wir sind überfordert!
Das war die Schlussnachricht von Herrn Lekies, dem Verhandlungsführer der genossenschaftlichen Arbeitgeber an die ver.di-Verhandlungskommission. Die Arbeitgeberseite sah sich überfordert, ein konkretes Gehaltsangebot auf den Tisch zu legen, oder sonstwie positiv auf unsere Forderungen einzugehen. Kompromisslos hielten sie an ihren Forderungen nach einer Verdoppelung des Spielraumes bei der LEV auf 2 Monatsgehälter hinaus fest. Auch bei der ertragsbezogenen Variabilisierung geht bei ihnen nichts unter 8 %, also einem kompletten Monatsgehalt. Wo ver.di versuchte, Brücken zu bauen, blieben die Genossen stur! Dann brachen sie die Verhandlungen um einen eigenständigen Tarifvertrag ab! Sie haben uns noch nicht mal ein beziffertes Angebot vorgelegt.
Ja, was soll man dazu sagen? Die ver.di-Verhandlungskommission war enttäuscht! Aus unserer Sicht haben die Beschäftigten eine andere Behandlungsweise ihrer Anliegen verdient! Was haltet Ihr davon? Bitte sagt mir, was ihr davon haltet! Schreibt einfach einen Kommentar.
Wir werden morgen detailliert in unserer Tarifkommission beraten. Ich gehe davon aus, dass ich mich dann wieder melde und berichten kann, wie wir die Diskussion in die Banken tragen werden.





