2.500 Banker streiken in Frankfurt
Ja, die Sommerpause ist zu Ende! Und es wird wieder heißer auf den Straßen. Jetzt streiken die Banker!
Es ist ja auch ein Hammer, was die Arbeitgeber den Beschäftigten zumuten. Natürlich spielte der Mega-Merger zwischen Commerzbank und Dresdner Bank die zentrale Rolle bei den Reden auf dem Frankfurter Goetheplatz! Denn die Angst um den Arbeitsplatz ist groß!
Und die Angst ist nicht nur bei den „Grünen“ groß. Auch die „Gelben“ machen sich berechtigte Sorgen. Hat der Chef des neuen Gebildes, der Commerzbanker Blessing, doch klar gesagt, dass gerade Stäbe und Back-Office-Abteilungen zu viel an Bord seien. Eine Bank bräuchte keine zwei Marketing-Abteilungen. Und er hat auch klar gesagt: nicht nur die „Grünen“ müssten bluten, es würde beide Seiten treffen. Insofern, so sagte es Mark Roach, der für die ver.di-Bundesverwaltung sprach, sei der angekündigte Kündigungsschutz ein wichtiger und richtiger Schritt. Er sei aber andererseits nur der erste Schritt hin zu einer umfassenden Regelung.
Da uns noch weitere Fusionen oder Übernahmen – man achte nur auf die Landesbanken und die Postbank! - drohten, sei es wichtig, auch im Tarifvertrag für alle Banken ein Verbot der betriebsbedingten Kündigungen festzuschreiben.
Zur Forderung nach 8 % mehr Gehalt verwies Roach auf eine Studie der DWS, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Die hatte vor wenigen Tagen festgestellt, dass die Gehälter der Vorstände der DAX-Unternehmen im Durchschnitt um 7,75 % gestiegen seien! Ein hohes Niveau, das aber „im Vergleich mit den jeweiligen Geschäftsergebnissen durchaus im Rahmen“ bleibt, urteilt DSW-Hauptgeschäftsführer Ulrich Hocker.
„Ich kann nur sagen: Wenn 7,75 % für die Manager angemessen sind, dann kann unsere Forderung nach 8 % nicht überzogen sein!“, so Roach wörtlich.
Gudrun Schmidt, unsere Landesfachbereichsleiterin in Hessen begrüßte die 2.500 Streikenden, die insbesondere von den Großbanken aus Frankfurt, aber auch in deutlicher Stärke aus der DZ Bank Frankfurt und von der Fraspa gekommen waren. Die mit sehr vielen KollegInnen anwesende Nassauische Sparkasse berichtete von 140 geschlossenen Filialen (von insgesamt 160)! Aber auch aus Lauterbach und Wetzlar hatten sich die Volks- und Raiffeisenbanker auf den Weg gemacht, um für einen vernünftigen Tarifabschluss zu demonstrieren. Es waren noch viele Beschäftigte aus weiteren Banken aus Franfurt und dem Hessenland dabei, da würde jetzt aber der Platz gesprengt.
Vor allem konnte Gudrun, neben der guten Stimmung auf dem Platz, auch das passende Wetter auf dem Erfolgskonto verbuchen.
Also, liebe Leute, die Sommerpause ist vorbei! Frisch an die Arbeit! Der nächste Streik kommt bestimmt: am Montag in Karlsruhe!!!
Warnstreik der Banker in Hannover
Am Morgen des 25.08. ging es wieder los. ver.di rief die Banker in Hannover zum Warnstreik auf. Es kamen gut 400 motivierte Banker an den Georgsplatz um mit uns zu demonstrieren. Ich war schon früh da und sah wie gutgekleidete Menschen aus allen Richtungen auf den Platz strömten, sich die neongelben ver.di ver.di-Warnstreik-Westen anzogen oder weiße Plastiktüten mit dem ver.di-Logo überstreiften!
Nach einem Glas Wasser aus dem Party-Service-Wagen machte ich mich auf, um mir die Streikenden anzuschauen. Einige hatten große Schilder oder Transparente mitgebracht, die sie umherzeigten, andere warteten auf die Reden.
Ich traf Kolleginnen und Kollegen aus der Commerzbank und der Dresdner Bank, der HVB. Die Betriebsgruppe aus der LBS war vom Stadtrand Hannovers hereingefahren. Die Betriebsgruppe der DZ Bank kam als geschlossene Gruppe mit einem Transparent mit dem Zitat des alten Raiffeisen: „Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele!“ Von der NordLB waren viele Beschäftigte aus Hannover und sogar aus Braunschweig dabei. Und es waren die Delegationen der ING DiBa, der GE Money Bank, der Hannoverschen Volksbank, der Apotheker- und Ärztebank sowie der Sparda gekommen.
Die Reden von Mark Roach, von der ver.di-Bundesverwaltung, von Peter Siemens (Commerzbank) und Jochen Berendsohn dem Vorsitzenden des Personalrates der VGH in Hannover trafen auf viel Zustimmung. Marietta Dall’asta (HVB) - oben im Bild - schoss den Vogel ab, als sie folgende Begebenheit aus dem Deutschen Bundestag berichtete:
Deutscher Bundestag, 154. Sitzung, Donnerstag, 10. April 2008. Diskussion zum Gesetzentwurf zur Rentenanpassung 2008. Zitate:
Olaf Scholz, Bundesminister für Arbeit und Soziales: „… ein 35-jähriger, der von seinem Chef mitgeteilt bekommt, dass das Weihnachtsgeld gestrichen ist, denkt nichts Nettes über diesen, und wenn er klug ist, tritt er in eine Gewerkschaft ein …“
Zwischenrufe Andrea Nahles (SPD): „Aber in eine richtige!“
Darauf Dr. Angela Merkel, Bundeskanzlerin: „Wenn er klug ist, ist er schon drin!“
Ich finde, die Geschichte kann man ruhig auf der nächsten Betriebsversammlung erzählen!
Bankangestellte streiken in NRW
„Heute wird bis ins kleinste Dorf im Sauerland gestreikt. Egal ob bei Deutscher, Dresdner oder Commerzbank überall im Land haben die Bankangestellten die Arbeit nicht aufgenommen. Beim Bearbeitungszentrum der SEB arbeiten von 50 Beschäftigten gerade sieben.“ Groß war der Jubel der über 2000 in die Landeshauptstadt gekommenen Bankangestellten, als Frank Fassin, ver.di-Landesfachbereichsleiter, die einzelnen Streikregionen begrüßte. Die klare Botschaft der 2000 in Düsseldorf und der 3000 Streikenden im ganzen Land an die Arbeitgeber: Legt endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch.
Schwerpunkt des Ausstands waren das Rheinland und das Ruhrgebiet.
„Von unseren rund 180 Filialen in Nordrhein-Westfalen waren 31 geschlossen - 22 davon im Raum Köln-Bonn-Aachen und neun im Ruhrgebiet“, sagte Heribert Klein, Dresdner-Bank-Kommunikationschef fürs Rheinland dem WDR. Etliche Zweigstellen hätten aus Sicherheitsgründen dicht gemacht werden müssen, da weniger als drei Mitarbeiter anwesend gewesen seien.
Notbesetzung in vielen Filialen
Auch in anderen Bankhäusern bekamen die Kunden die Folgen des Ausstands zu spüren. „In manchen Filialen gibt es nur Notbesetzungen, in anderen können Kunden kein Geld abheben, weil die Kassiererinnen und Kassierer streiken“, sagte Uschi Jäckel von Verdi. Mit dem Arbeitskampf reagiert ver.di auf das Scheitern der dritten Tarifrunde für das private und öffentliche Bankgewerbe.
Warnstreik in Nürnberg
Eine muntere und bunte Demo zog am 25.07.2009 durch die Altstadt von Nürnberg. Mit selbst gefertigten Transparenten haben 500 Beschäftigte der HypoVereinsbank für sichere Arbeitsplätze und faire Vergütungen demonstriert. Von den 27 Filialen mussten 16 Filialen während des Streiks geschlossen bleiben. Die Streikaktion hat allen TeilnehmerInnen Mut gemacht – eine baldige Wiederholung kann nicht ausgeschlossen werden.
Verhandlungen in der Sackgasse
Schon der Weg ins Verhandlungshotel war schwierig zu finden, und dann noch der Weg von der Rezeption in die Verhandlungsräume! Unser Verhandlungsführer, Uwe Foullong, griff das auch zu Beginn (13:30Uhr) auf und sprach vom Labyrinth und gab der Hoffnung Ausdruck, dass die Verhandlungen einen Weg aus dem Labyrinth finden und nicht in der Sackgasse enden sollten.
Diese Hoffnung trog leider! Um 22:12 Uhr beschloss die Tarifkommission einstimmig, Arbeitskampfmaßnahmen einzuleiten! (Die beiden Bilder zeigen die Abstimmung!)
Was ist dazwischen passiert? Die Arbeitgeber waren nicht bereit
• uns eine Gehaltsanhebung anzubieten, die auch nur annähernd die Inflation ausgleichen könnte. (in einer Pressemeldung sprachen sie selber von 6 %, das aber auf 30 Monate verteilt und am Anfang mit einigen Nullmonaten effektiver Wert im ersten Jahr 1,54%)
• uns zuzusichern, dass betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen würden
• zum Gesundheitsschutz waren sie genauso wenig bereit, eine tariflich verbindliche Regelung zu treffen, wie zur Altersvorsorge
• den Vorruhestand zu verlängern
• mehr Ausbildungsplätze und zumindest eine befristete Übernahme zuzusichern
• auf ihre Forderung zur dauerhaften Samstagsarbeit zu verzichten.
Und schließlich: Bis zum Schluss hielten die Arbeitgeber an wesentlichen Forderungen zur Variabilisierung fest! So sollte nach ihren Vorstellungen die Variabilisierung der Gehälter zukünftig auch gegen den Willen der Betriebsräte im Betrieb eingeführt werden können. Und sie wollten auch die Möglichkeit erhalten, den LEV-Topf nicht auszuschütten. Damit haben sie sich selber die Maske vom Gesicht gerissen. Zweck der Diskussion um eine Variabilisierung ist in Wahrheit die Senkung der Personalkosten!
Aber nicht mit ver.di! Wir haben die Situation sorgfältig diskutiert und abgewogen. Uns allen ist klar, dass die Argumente am Tisch ausgetauscht sind. Vom Verhandlungstisch ist jetzt keine Bewegung zu erwarten.
Bewegung kommt jetzt nur durch die Bankbeschäftigten selber zu Stande. Die Belegschaften müssen in den nächsten Tagen und Wochen deutlich machen, was sie von einer solchen Politik der Arbeitgeber halten.
Ich bin sicher, wir treffen uns demnächst wieder. Auf den Straßen von Berlin, Dortmund, Frankfurt, München und Stuttgart Und wie die Städte sonst noch heißen!
Ich freu mich drauf, Sie dabei zu treffen!





