Montag 16. Februar 2009

Tarifkonflikt oder Theater

Wenn man in ein Theater geht, bezahlt man am Eingang sein Ticket, holt sich noch ein Glas Sekt und dann setzt man sich auf seinen Platz und wartet gespannt auf das, was auf der Bühne passiert. In der Pause kann man das Gesehene mit anderen Zuschauern diskutieren, sich noch ein Glas Sekt holen, um dann entspannt die zweite Hälfte zu erleben. Nach dem Stück geht man nach Hause, angeregt oder aufgeregt, zufrieden oder ärgerlich.

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass das bei den Tarifverhandlungen ähnlich läuft. Einige der letzten Beiträge sind so geschrieben, als stammten sie von Zuschauern auf einer Tribüne:

„Was macht ver.di denn?“ „Warum tut ver.di nichts?“ Oder Vorwürfe: „Es ist einfach nicht hinnehmbar, dass nach 7 Monaten von ver.di noch kein Ansatz gefunden wurde, die Arbeitgeber an den Verhandlungstisch zu bekommen..“ „So langsam finde ich es beschämend dass wir schon 2009 haben, die Bahnen wieder streiken und es ver.di nicht schafft innerhalb eines Jahres was zu erreichen.“

Genau darum geht es. Erreicht mal was für mich. Ich sitze auf der Tribüne, schaue zu und klatsche oder pfeife. Wie im Theater!

Das Tarifgeschäft funktioniert so nicht. Das Tarifgeschäft lebt vom Mittun aller! Wenn „die Bahnen“ streiken, dann sind das konkret die Lokführer, die Ihren Zug auf dem Bahnhof abstellen und nicht weiterfahren. Oder das Zugbegleitpersonal, dass nicht einsteigt und Service macht.

Ein erfolgreiches Beispiel aus den Banken: Die Kolleginnen und Kollegen der VR Westmünsterland DienstleistungsGmbH haben 9 Wochen gestreikt, haben die Arbeit ruhen lassen, haben vor der Bank gestanden, sind in die Fußgängerzonen und auf die Marktplätze der Gegend gegangen um die Bevölkerung, die Kunden zu informieren.

Und sie waren erfolgreich! Sie haben sich eine Gehaltserhöhung erkämpft, die ihnen ihr Arbeitgeber zwei Jahre verweigert hat.

Konkret: Sprecht mit euren Kolleginnen und Kollegen in eurer Abteilung, in eurer Filiale, in eurer Bank. Und klärt, was Ihr selber wann und wo machen wollt! Das besprecht mit eurer ver.di-Sekretärin vor Ort.

Einige fordern Infos ein, bemängeln, dass hier die letzte Info aus dem Dezember stammt. Aber genau die Info von damals ist heute von A bis Z nach wie vor gültig.

• Die Arbeitgeber kommen nicht an den Verhandlungstisch!

• Sie wollen eine Gehaltsanhebung nur gegen eine Ausweitung der Variabilisierung!

• Sie wollen die Samstagsarbeit erzwingen!

• Und: sie sind nicht bereit, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten!

Ja, es geht sogar so weit, dass sie sich weigern, an den Verhandlungstisch zu kommen. Sie verlangen von uns, das gekündigte Rationalisierungsschutzabkommen unverändert wieder in Kraft zu setzen. Dieses Abkommen ist aber bereits viele Jahre, ja Jahrzehnte alt und enthält zum Kündigungsschutz völlig unzureichende Regelungen. Gerade weil wir den Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen festschreiben wollen, haben wir das Ratio-Schutz-Abkommen gekündigt!

Wir führen in diesen Tagen und Wochen bundesweit Veranstaltungen durch, zu der unsere Tarifkommissionsmitglieder und viele Betriebsräte und Mitglieder eingeladen sind. Dort klären wir die ggw. Lage. Und dort diskutieren wir gerade, wie wir weiter machen können. An diesen Diskussionen kann man sich beteiligen, kann seine Vorschläge und Ideen einbringen.

Und dann kann man mit tun! Kann sich mit den Kolleginnen und Kollegen daran beteiligen, den eigenen Unmut deutlich zu machen. Bei den verschiedensten Aktivitäten und Aktionen vor Ort. Schön, wenn ich auch dich bei diesen Aktionen treffen würde!

positiv
Rubrik: Banken
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Dienstag 16. September 2008

Abbruch um 18.30, Verhandlungen ohne Ergebnis!

Sie bleiben dabei! Die Arbeitgeber wollen die LEV auch gegen den Willen der Betriebs- und Personalräte und der Belegschaften durchsetzen können. Sie bestehen darauf, zukünftig an Samstagen arbeiten zu können. Sie weigern sich, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Und die Krönung der Unverfrorenheit: Sie haben uns noch nicht mal ein verbessertes Gehaltsangebot gemacht.

In der Presseerklärung der Arbeitgeber konnten wir dann anschließend lesen, dass sie den Beschäftigten „freiwillig“ eine Gehaltsanhebung von 2,5 % ab 1.11. zahlen wollen. Die Arbeitgeber glauben, dass das die bekannte Beruhigungspille ist! Sie wollen die Belegschaften mit Krümeln abspeisen und so von Streiks abhalten. Aber Banker können rechnen! Sie erkennen, dass 2,5 % nach 4 Nullmonaten in Wirklichkeit bestenfalls 1,73 % Kaufkraftsteigerung ausmachen!

Und das obwohl noch am selben Tag in Köln selber 2.000 Beschäftigte aus NRW in den Streik traten. Diese Streikenden haben die Verhandlungskommission in einer eindrucksvollen Demonstration zum Tagungshotel gebracht. (siehe Bild!)

Die Tarifkommission hat nur wenige Minuten nach Abbruch der Verhandlungen beschlossen, die Streikmaßnahmen fortzusetzen bzw. auszuweiten. (siehe Bild) Ich möchte alle Bankbeschäftigten bitten, sich an diesen Streiks zu beteiligen. Wir müssen gemeinsam deutlich machen, dass wir keine Kostenfaktoren sind, sondern dass wir für unsere gute Arbeit auch gutes Geld verdienen! Wir sind eine deutliche Gehaltsanhebung wert!

Wir wollen den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, weil wir endlich wieder in Sicherheit arbeiten wollen.

Wir wollen keine dauerhafte, regelmäßige Samstagsarbeit, weil uns die Kunden da nicht brauchen, aber unsere Familien.

Wir wollen ein faires, transparentes Gehalt, deshalb sind wir gegen übertriebene Variabilisierungen!

Und wir wollen eine deutliche Gehaltsanhebung, die zumindest die Kaufkraftverluste durch die Inflation abdeckt.

Wichtig: die Kolleginnen und Kollegen aus NRW wollen ihren Streik am morgigen Mittwoch fortsetzen! Also, alle, die heute am Dienstag zum Streik aufgerufen waren, sind morgen wieder dabei!

neutral
Rubrik: Banken
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Freitag 12. September 2008

Streiks weiten sich aus

Stuttgart 500 Teilnehmer/innen Warnstreik, (auf Kundgebung wg. Regen 200), LBBW, BB-Bank, LBS BaWü, Dresdner Bank, Commerzbank, Deutsche Bank, L-Bank und DZ-Bank Stgt.

Mannheim 150 Teilnehmer/innen Warnstreik, Deutsche Bank Schalterbank geschlossen

Berlin 2.000 Teilnehmer/innen Tagesstreik Landesbank Berlin, Berliner Sparkasse mit Tochter Banken Service (zwei Drittel der Sparkassenfilialen geschlossen), Commerzbank, Dresdner Bank, IBB, HVB

Augsburg 300 Teilnehmer/innen Warnstreik HVB, 20 von 23 Zweigstellen geschlossen

Würzburg 120 Teilnehmer/innen Warnstreik HVB, 10 von 13 Zweigstellen geschlossen

Jena 25 Teilnehmer/innen Warnstreik HVB, Filiale geschlossen

Konnte ja nicht überall sein. Muss Euch sagen, dass die Stimmung in Berlin super war. Die Sonne schien, es war warm und ab 9.00 Uhr strömten immer mehr Banker auf den Platz vor der Gedächtniskirche! Über 100 Banker wollten spontan Mitglied werden. Uns stärken! Damit am 16.9. in Köln ein anständiges Ergebnis erzielt wird!

Besonders schön, die gemeinsame Aktion von Commerz- und Dresdner Bankern! (hier im Bild)

Dazu Michael Dutschke, (Bild) Tarifkommissionsmitglied und Betriebsrat der Sparkasse: „Wenn es am 16.9. kein Ergebnis gibt, dann treffen wir uns hier wieder, und jeder bringt noch einen mit!“

positiv
Rubrik: Banken
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Donnerstag 11. September 2008

Erfolg in Dülmen: ver.di setzt Gehaltsanhebung durch

8 Wochen ununterbrochenen Streiks liegen hinter den Beschäftigten der VR Westmünsterland Dienstleistungs und Beteiligungs GmbH. Seit 9 Wochen sind wir in der Schlichtung! In vier Schlichtungsrunden hat ver.di mit der Arbeitgeberseite gerungen. Bei den Verhandlungen am 10.09.08 erzielten wir ein Ergebnis:

2,5 %ige Gehaltsanhebung ab dem Oktobergehalt 2008 für alle Beschäftigten der GmbH

800,- Euro Einmalzahlung im Oktober 08 an alle Beschäftigten (Teilzeitbeschäftigte zeitanteilig)

2,0 %ige Gehaltsanhebung ab dem 1.7.09 ebenfalls für alle Beschäftigten

• Laufzeit des Tarifvertrages bis zum 30.06.2010.

— Achtung: die Einmalzahlung entspricht bei der TG 4 (da sind die meisten Beschäftigten drin) einem Erhöhungswert aufs Jahr bezogen von 2,45 %. In Summe haben die Kollegen also fast 5 % bekommen!—

Wir hätten gerne auch einen Manteltarifvertrag für die Beschäftigten der GmbH vereinbart, mussten hier aber feststellen, dass eine Einigung zu diesen Themen mit der Geschäftsführung der GmbH nicht möglich war. Der Besitzstand der aus der VR-Bank übergegangenen bleibt gesichert.

Damit hat sich ver.di in den wesentlichen und zentralen Anliegen durchgesetzt! Der Streik war erfolgreich!

Wir bedanken uns bei denen, die diese - für eine Bank beispiellose - Auseinandersetzung getragen haben. Die Streikenden haben sehr lange einem enormen psychischen Druck standgehalten. Das verdient unsere Hochachtung.

Wir bedanken uns auch bei all den UnterstützerInnen, außerhalb der GmbH. Sei es aus der VR-Bank, der Politik, von Verbänden und Institutionen, von Betriebsräten, sowie den Kundinnen und Kunden der VR-Bank und von Bürgerinnen und Bürgern aus dem Geschäftsgebiet! Diese bemerkenswerte Unterstützung hat den Streikenden viel Kraft und Mut gegeben.

In den nächsten Tagen, werden wir die Mitglieder in einer Urabstimmung befragen.

Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele! (F.W. Raiffeisen)

positiv
Rubrik: Banken
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Montag 8. September 2008

Mission Gehaltsabschluss – (k)eine unmögliche Mission

Wie angekündigt ging es heute in Karlsruhe weiter. Beteiligt waren mehr als 300 Banker aus der BB-Bank, der Volksbank Wiesloch, der Volksbank Hohenlohe. Die Beschäftigten der Dresdner Bank waren fast komplett dabei, die Commerzbanker mit der Hälfte der Belegschaft, berichteten mir die Betriebsrätinnen. Auch aus der LBBW und der L-Bank waren Kolleginnen und Kollegen dabei.

Bei schönstem Sonnenschein zogen die Streikenden durch die Karlsruher Innenstadt. Sogar die Strassenbahnen wurden angehalten oder umgeleitet. Im Bild der Demo-Zug und der ver.di-Sekretär Jochen Höpken bei seiner Rede. Auf dem Marktplatz gab es eine kleine Aktion: begleitet zur Titelmusik von Mission Impossible rezitierte ein junger Banker folgenden Text:

„Mission Gehaltsabschluss – (k)eine unmögliche Mission“

Wir schreiben das Jahr 2008. Genauer gesagt den 05. Juni des genannten Jahres.

Es ist der Tag, an dem die „Mission Gehaltsabschluss“ für einen Teil von uns scheinbar ein Ende finden soll. So dachte zumindest der Arbeitgeberverband der Volks- und Raiffeisenbanken.

Ein Tarifabschluss, der mit der Gewerkschaft ver.di unmöglich war, wird an diesem Tag zur längst beschlossenen Sache. Die Miniverbände DHV und DBV sind der vom AVR ausgesuchte Vertragspartner. „Billigabschluss und das noch mit weiteren Hintertürchen“, statt gutem Geld für gute Arbeit!

Das Arbeitgeberlager der Volks- und Raiffeisenbanken zeigt sein wahres Gesicht. Ein abgekartertes Spiel. Mit einseitigen Regeln von vornherein.

Eine „Katastrophe“ wird geboren.

Für den Rest der Bänker besteht an diesem Tag die Hoffnung auf Gehaltsabschluss vorerst weiter.

Bis zum späten Abend des 22. Juli. Abbruch nach 14 Stunden Verhandlungsmarathon. Der Hoffnungsschimmer für Kollegen/innen aus dem restlichen Bankgewerbe stirbt.

Angebote der Arbeitgeberseite? Für ver.di nur ein „Billiger Jakob“. Und das, obwohl Gewinne auch im letzten Jahr erwirtschaftet und Rücklagen gebildet wurden. Genug Geld, die faire Gehaltserhöhungen rechtfertigen.

Lassen wir nun Zahlen aus einigen Volks- und Raiffeisenbanken aus Baden-Württemberg, sowie privaten Banken aus der ganzen Republik auf uns wirken. Genannt wird der jeweilige Jahresüberschuss vor Steuern. Aktuell aus dem Jahr 2007. Rücklagen sind bereits berücksichtigt. Egal welcher Art und egal in welcher Höhe.

Volksbank Reutlingen € 1,6 Mio

VR-Bank Asperg-Markgröningen € 2,6 Mio

Volksbank Herrenberg-Rottenburg € 4,4 Mio.

Volksbank Wiesloch € 5,8 Mio.

Volksbank Pforzheim € 5,8 Mio.

Volksbank Baden-Baden Rastatt € 6,0 Mio.

Volksbank Hohenlohe € 6,5 Mio.

Ulmer Volksbank € 8,0 Mio.

VR-Bank Rhein-Neckar € 8,7 Mio.

Volksbank Ludwigsburg € 11,3 Mio.

BBBank Baden Württemberg € 13,4 Mio.

Dresdner Bank € 843 Mio.

Commerzbank € 2,5 Mrd.

Hypovereinsbank € 3,0 Mrd.

Deutsche Bank € 6,5 Mrd.

Zahlen, die ein weiteres Billigangebot nicht rechtfertigen.

Ein „Aus“ für die weiteren Gehaltsforderungen muss es nach diesen Fakten für keinen der Bänker bedeuten.

Warum also das kostbarste Gut einer Bank, die Menschen, nicht so entlohnen, wie es ihnen zusteht?

8% Gehaltsanhebung, mindestens € 260,—!Gute Arbeit verdient gutes Geld!

Die „Mission Gehaltsabschluss“ darf nicht sterben!

Für einen Tarifabschluss mit ver.di.

Gemeinsam. Jetzt. In Zukunft.

positiv
Rubrik: Banken
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