Tarifabschluss im Bankgewerbe
• Gemeinsame Erklärung zum betrieblichen Gesundheitsschutz vereinbart!
• Beschäftigungssicherung verbessert!
• Vorruhestand und Altersteilzeit verlängert!
• Mehr Geld!
So kann man die wichtigsten Ergebnisse des Tarifabschlusses im privaten/öffentlichen Bankgewerbe zusammenfassen. Dieser Abschluss kam in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zustande. Während es rund um das Hotel blitzte und donnerte und der Frankfurter Flughafen wegen des Gewitters gesperrt wurde, verhandelten wir in dem düsteren Hotel mit den endlos langen Gängen!
Was sind nun die Details des Abschlusses:
• Eine gemeinsame Erklärung zum betrieblichen Gesundheitsschutz bringt erste wichtige Erfolge auf dem Weg zur Begrenzung des Verkaufsdrucks, des übertriebenen Controllings und der Eingrenzung des Leistungsdrucks in den Back-Office-Bereichen. Hier heißt es u.a.:
o „Führung soll Fehlbelastungen vermeiden. Insbesondere sollen Ziele fair, erreichbar, spezifisch und unter Berücksichtigung der Kundenbedürfnisse formuliert sein
o „Die Unternehmen sollen ihren Beschäftigten angemessene Gestaltungsspielräume einräumen.“
• Das Rationalisierungsschutzabkommen wird wieder in Kraft gesetzt.
o Es enthält erstmals Regelungen zum Vorruhestand und zur Altersteilzeit, die somit unbefristet für den Rationalisierungsfall gelten.
o Gegen die Aussprache von betriebsbedingten Kündigungen werden neue Hürden eingeführt, arbeitgeberseitige Kündigungen werden zwar nicht verboten, aber deutlich schwieriger.
o Der Besitzstand wird deutlich verbessert! Das Gehalt wird gesichert, auch wenn man noch nicht mindestens 10 Jahre in der Bankgearbeitet hat oder 40. Jahre alt ist. Eine deutliche Verbesserung, gerade für junge Menschen!
• Das Vorruhestandsabkommen wird wieder in Kraft gesetzt, diesmal mit einer Geltung bis Ende 2012.
• Das Altersteilzeitabkommen wird bis Ende 2014 verlängert, die tarifliche Kurzarbeit (31-h-Klausel) sogar bis Ende 2015!
• Und schließlich zum Gehalt:
o Die Beschäftigten erhalten im August eine Einmalzahlung in Höhe von 300 EURO (Azubis 75 €)
o Am 1.1.2011 gibt es eine Anhebung der Tabellengehälter um 1,6 % linear, auch für Azubis.
o Der Tarifvertrag ist erstmals zum 29.02.2012 kündbar.
Fazit: Ver.di hat beim Gesundheitsschutz, bei den eingeforderten Maßnahmen gegen den Vertriebs- und Leistungsdruck einen ersten Erfolg errungen! Insbesondere vor dem Hintergrund der ursprünglichen Tabuhaltung der Arbeitgeber. Damit ist klar: Verkaufen auf „Teufel komm raus“ ist mit dem gemeinsamen Willen der Tarifparteien nicht vereinbar! In den Back-office-Abteilungen geht es um die Begrenzung des Leistungsdrucks und die Vermeidung immer eintöniger Arbeitsabläufe. Daran werden wir in den nächsten Monaten und Jahren in den nun anstehenden betrieblichen Umsetzungen anknüpfen! Beschäftigung im Bankgewerbe ist ein gutes Stück sicherer geworden. Einerseits wird es für die Bank schwieriger, Beschäftigten zu kündigen, andererseits erhält sie eine Reihe von Instrumenten zur Beschäftigungssicherung. Ver.di dazu: Zwar werden betriebsbedingte Kündigungen mit diesen Regelungen nicht völlig ausgeschlossen, in der Praxis aber erheblich erschwert. Das ist gut für die Beschäftigten! Die Realeinkommen der Bankangestellten werden gesichert und nicht von der Entwicklung anderer Branchen abgekoppelt. Die ver.di-Tarifkommission, die in einem stickig heißen Raum (die Klimaanlage war ausgefallen) tagte, hat dem Ergebnis im Paket deshalb einstimmig zugestimmt.
Und nun bin ich gespannt, was Ihr sagt. Auch an Deiner Bewertung des Abschlusses bin ich interessiert. Hier kannst du dich klar und deutlich äußern!
Zäh, zäher, Tarifverhandlungen mit dem AGV-Banken
Wie passten doch die Tarifverhandlungen zu dem Hotel, in dem sie gestern stattfanden. Lange, fensterlose Gänge symbolisierten den Verhandlungsablauf. Und wie in einem langen Tunnel fühlte man sich bei diesen Verhandlungen. Es ging kaum vorwärts. War da ein Licht am Ende des Tunnels und ist das das Ziel oder doch ein entgegenkommender Zug?
Um 13.00 Uhr trafen sich die Delegationen. Man tauschte Positionen aus. Bewegung? Nicht zu erkennen. Die Arbeitgeber betonten immer wieder ihr Nein zu einem Tarifvertrag zur Begrenzung von Vertriebs- und Leistungsdruck. Nein auch zu dem Verzicht auf betriebsbedingten Kündigungen. Keine Zusagen zur Fortsetzung von Vorruhestand oder Altersteilzeit. Und auch kein Angebot zu Gehaltserhöhungen.
Dann ging man in den kleinen Kreis. Die Verhandlungskommission besteht auf ver.di Seiten aus 14 Mitgliedern einschl dem Verhandlungsführer Uwe Foullong und Sekretären, die fachlich zuarbeiten. Im kleinen Kreis verhandelt man mit jeweils 7 Delegierten. Dort dann intensive Diskussionen über die Ausbildungsplätze und die Übernahme. Die Arbeitgeber argumentieren mit Betriebswirtschaft, Risiken und Kosten. Für ver.di ist die gesellschaftliche Aufgabe wichtig, die Startchance für junge Menschen.
Aber auch eine lange Diskussion um Vertriebsdruck und Leistungsstress in den Banken. Unser Hauptthema! Wird auch gar nicht von der AG-Seite geleugnet. „Ja, es wurden Fehler gemacht!“ Aber ändern? Mit ver.di gemeinsam einen Neuanfang? Regelungen treffen? NEIN! Eingriffe in die unternehmerische Freiheit! Aufgabe der Betriebsparteien! Schon so viel vom Gesetzgeber neu geregelt!
Schließlich können bei soviel Ablehnung gerade mal die Themen sortiert werden. Da kommt also noch einiges auf die Verhandler zu. Und viel kommt auf euch und uns alle zu. Denn klar ist: Bewegung am Verhandlungstisch wird es nicht geben, wenn ihr euch nicht einmischt! Ihr, die Beschäftigten in den Banken, ob in Filiale oder den Betriebsabteilungen. Ihr müsst die nächsten Tage und Wochen nutzen und Euren Chefs sagen, dass sie sich bewegen sollen. Dass Ihr die ver.di-Positionen unterstützt.
Sie wollen einfach nicht!
So fasste ein Mitglied der ver.di-Delegation seine Eindrücke vom Gespräch mit dem AVR, dem Arbeitgeberverband der Volksbanken Raiffeisenbanken, zusammen. Am 12.5. waren beide Seiten in Berlin zusammengekommen, um auszuloten, ob neue Tarifgespräche Sinn machen.
Der AVR sagte:
• Sie sind herzlich eingeladen, dem VTV beizutreten.
• Der VTV ist in den Genossenschaftsbanken breit akzeptiert.
• Die Vorstände der Genossenschaftsbanken wollen die Variabilisierung.
• Eine Variabilisierung von 14 % ist moderat.
Und der Hammer, auf die ver.di-Frage, ob denn der AVR auf ver.di zukäme:
• Unser Entgegenkommen ist, dass wir mit Ihnen reden!
Das ist stark! Klar gesagt: ver.di soll den VTV, den Vergütungstarifvertrag des AVR, unterschreiben, ohne Änderungen! Damit soll es ver.di ermöglichen, dass eine Variabilisierung von bis zu 14 % der bisher festen Gehälter in die Realität umgesetzt wird. Bisher haben wir es in den Genobanken gemeinsam verhindert, dass KundenberaterInnen knapp 2 ihrer bisher gesicherten 13 Monatsgehälter im Jahr verlieren können, wenn sie die vorgegebenen Ziele verfehlen!
Und jetzt mal ehrlich, wer kann sich ein solches Risiko leisten, selbst wenn dafür die Chance lockt, bei Übererfüllung aller Ziele auch mehr als 13 Gehälter verdienen zu können? Mir jedenfalls bestätigen Betriebsräte in Volks- oder Raiffeisenbanken immer wieder, dass sie von ver.di erwarten, dass wir an dieser Stelle hart bleiben.
Und was haben wir alles versucht. Wir haben verdeutlicht, dass wir – anders als in den vergangenen Monaten - nicht mehr unbedingt darauf bestehen würden, dass der AVR seinen VTV in den Papierkorb schmeißt. Wir waren bereit, dieses Papier weiterzuentwickeln, dass es auch unseren Qualitätsansprüchen an einen Tarifvertrag zur Variabilisierung entspricht. Wir haben den Weg frei gemacht!
Der AVR behauptet aber, ver.di würde die „beschäftigungsorientierte“ Politik der Genossen nicht „belohnen“. Das Gegenteil ist richtig: wir versuchen die Genossenschaftsbanken und deren Beschäftigte vor den Scharfmachern aus den Reihen des AVR zu schützen. Wären Variabilisierungen nach Geschmack des AVR breiter umgesetzt, würden die Volks-/Raiffeisenbanken viel stärker im Fokus der öffentlichen Diskussion um Fehlberatung und Vertrauensverlust stehen.
Der AVR glaubt aber, dass ihm andere Verbände zur Verfügung stehen, um Tarifverträge nach Geschmack der AVR-Funktionäre abzunicken. Egal, ob das dann draußen in den Banken gelebt wird oder nicht. Egal, ob es Unruhe in den Banken gibt oder nicht.
Liebe Leute, ich will es deutlich sagen: Es wird Zeit, dass Ihr – gemeinsam mit Euren Vorständen – dem AVR Dampf macht. Aus allen möglichen Banken höre ich: „Unser Vorstand will die 14 % nicht.“ „Unser Vorstand will, dass der AVR einen Tarif mit ver.di schließt.“ Ich sage: jetzt ist es Zeit, Farbe zu bekennen.
Es geht los!
Tarifverhandlungen bei den Banken
Beinahe wäre ich noch zu spät gekommen. Musste noch ein paar vertrödelten Osterhasen den Weg zeigen. Aber das hast du ja gehört.
Ich jedenfalls in Berlin angekommen und hin zum Arbeitgeberverband für das private Bankgewerbe (gleich um die Ecke vom DGB-Bundesvorstand) wo es heute richtig zur Sache ging. Erste Runde der diesjährigen Tarifverhandlungen bei den privaten und öffentlichen Banken, also Landesbanken und einigen Sparkassen.
ver.di will was gegen den Verkaufsdruck tun, gegen die Zielvorgaben, das Monitoring, das ständige Controlling. Schließlich wollen wir alle, dass der Kunde nach seinem Bedarf beraten wird und nicht nach dem Verkaufsinteresse der Bank. Und die Beschäftigten in den Back-office-Bereichen klagen auch über Leistungsdruck und Monotonie in der Arbeit. Alles soll immer schneller gehen und billiger. Sonst ginge die Arbeit raus. Aus der Firma oder gar aus Deutschland oder Europa. Auf jeden Fall aus dem Tarif!
Und die Arbeitgeber? Die sagen NEIN! Das sei ein Eingriff in ihre Freiheit, in die unternehmerische Freiheit! Das dürfe nicht im Tarif geregelt werden, da wisse jede Bank selber genau, was sie wolle. So geht das nicht weiter, sagt ver.di!
Und dann will ver.di was machen gegen die Angst um den Arbeitsplatz. Es soll endlich mal Schluss sein mit der Vernichtung von Arbeitsplätzen. Konkret will ver.di den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen, die Verlängerung von Vorruhestand und Altersteilzeit, eine Fortsetzung der Regelung zur 31-h-Woche und die zumindest befristete Übernahme der Azubis für ein Jahr.
Alles abgelehnt sagen die Arbeitgeber. Man glaubt es nicht. Da sagen die selber, dass die Finanzkrise noch weiteren Umbau der Banken zur Folge haben werde, gerade auch bei den Landesbanken! Aber Vorsorge soll nicht betrieben werden. An Sicherung der Arbeitsplätze sind die Arbeitgeber nicht interessiert. Sollte man sich merken.
Und schließlich die Gehälter. Da hat ver.di ja diesmal keine Zahl genannt. Sagen, dass damit von den wichtigeren anderen Frage nicht abgelenkt werden soll. Dagegen sagen die Arbeitgeber: „Wir wollen die Branche stabilisieren! Deshalb soll es auch keine Gehaltsanhebung geben!“ Da grinst der Arbeitgeber und zeigt uns mit zwei Fingern eine NULL! Aber so stabil wollten die ver.dianer das nicht! Denn schließlich steigen auch die Kosten fürs Leben. Und eigentlich ist doch die Arbeit der Bankbeschäftigten auch mehr Wert! Finden wir jedenfalls!
Und weil die Arbeitgeber mal so richtig dabei waren, schlechte Nachrichten zu verbreiten, wollen sie gleich auch noch die Samstagsarbeit wieder einführen. Weil der Kunde da einen Bedarf hätte. Hat das schon jemand von Euch gemerkt? Ich jedenfalls nicht. Kommt gar nicht in die Tüte! Vertriebsstress auch noch am Samstag? Mit mir nicht.
Ja, trotz Sonnenschein ziemlich kühles Klima in Berlin. Am 17.5. soll es dann in Frankfurt weiter gehen. Ich bin wieder dabei und berichte.
Und Ihr? Ihr solltet Euch auch schon mal überlegen, ob es nicht gut wäre, auch mal Flagge zu zeigen, Farbe zu bekennen. Gegen den Vertriebsdruck müssen wir doch mal machen! Oder?
Und wenn ich Euch hier frage, solltet ihr mir hier auf diesen Seiten ruhig antworten!
Euer Timo!
Private/öffentliche Banken: Tarifabschluss in Krisenzeiten
Nach langem Stillstand melde ich mich heute wieder. Endlich gibt es was zu berichten!
Bei den Tarifverhandlungen hat sich ver.di mit den Bankarbeitgebern heute auf einen Tarifvertrag verständigt. Vorausgegangen waren intensive Diskussionen mit ver.di-Mitgliedern in Regionalkonferenzen und verschiedene Sondierungsgespräche mit den Bankarbeitgebern.
Ihr werdet sicher Verständnis haben, dass wir über diese Sondierungen nicht laufend berichten konnten. Aus solchen Sondierungen wird üblicherweise nicht berichtet, weil alle besprochenen Inhalte von jeder Seite immer zurückgenommen werden könnten.
In diesen Sondierungen machten die Arbeitgeber deutlich, dass sie sogar die einseitige freiwillige Gehaltserhöhung in Höhe von 2,5 % ab November 2008 vor dem Hintergrund der Krise als zu hoch betrachten. Auch wegen der krisenbedingten Unsicherheiten hat die Tarifkommission diese Zahlungen nun tariflich abgesichert.
Vor allem:
Die Vorbedingungen der Bankarbeitgeber sind vom Tisch. Da haben offenbar die Arbeitskampfmaßnahmen des letzten Jahres Wirkung gezeigt:
- Die variable Vergütung wird nicht ausgeweitet und nicht verschärft!
- Die befristete Erprobungsphase zur Samstagsarbeit ist am 31.12.2008 ausgelaufen und wird nicht verlängert.
Außerdem: Die bisher freiwillig gezahlten Gehaltserhöhungen von 2,5 % sind nun tariflich abgesichert. Außerdem gibt es am 01.02.2010 eine Einmalzahlung in Höhe von 200 Euro (Azubis 50 Euro).
Besonders wichtig:
Bereits im Mai werden Verhandlungen über Regelungen zur Beschäftigungssicherung aufgenommen, die bis zum September beendet sein sollen. ver.di wird in diesen Verhandlungen ein umfassendes Konzept zur Beschäftigungssicherung vorlegen - einschließlich Rege-lungen zum Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen.
Ehrlich, ich finde: dieser Tarifabschluss ist den Umständen der Finanzkrise angemessen. Bei den Gehaltssteigerungen haben wir das Machbare erreicht. Das Volumen ist wirklich nur unter dem Eindruck der Finanz- und Wirtschaftskrise zu akzeptieren.
Weitere Komponenten des Abschlusses:
• Verlängerung der 31-Stunden- Beschäftigungssicherungsklausel bis zum 31.12.2010
• Verlängerung des Tarifvertrages zur Altersteilzeit bis zum 30.04.2010
• Verlängerung der Rahmenregelung zu Langzeitkonten bis zum 30.04.2010
• Erweiterung des Verwendungszwecks der Vermögenswirksamen Leistungen auch für Riester-Produkte.
Die Tarifkommission hat dieses Gesamtergebnis einstimmig angenommen.
Allen, die sich in der Tarifauseinandersetzung engagiert und an Protestmaßnahmen und Streiks beteiligt haben, sage ich DANKE!





