
schrieb am Dienstag 23. Oktober 2007 zum Thema Versicherungen:
Das war schon ein starks Stück, das wir heute in Köln erleben mußten.
Trotz wiederholter Aufforderung haben sich die Arbeitgeber heute geweigert, in der 2. Tarifverhandlungsrunde für die Beschäftigten des privaten Versicherungsgewerbes ein erstes Angebot vorzulegen.
Stattdessen haben Sie ein ganz brutals Paket von Einsparungen und Abbau von Rechtsansprüchen präsentiert. Im einzelnen fordern die Arbeitgeber die Variabilisierung der Sonderzahlungen, die Einführung von Samstagsarbeit nach eigenem Ermessen, die Herausnahme der über Tarif bezahlten Angestellten aus dem Geltungsbereich des Tarifvertrages, die Einführung von 2 Niedriglohngruppen und die Abschaffung der Nachtarbeitzuschläge für geleistete Arbeit zwischen 20h und 22h.
Ein klares NEIN kam von den Arbeitgebern zu unseren Forderungen nach einem Rechtsanspruch auf Altersteilzeit, einem Gehaltsausgleich bei der kollektiven Verkürzung der Arbeitszeit auf 30h zur Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen, nach Ausgleich von Mehrarbeit grundsätzlich in Freizeit, einem Qualifizierungstarifvertrag, nach einer verbindlichen Vereinbarung von Ausbildungszahlen und Übernahmekonditionen von Ausgelernten.
Die ver.di-Tarifkommission hat dieses Verhalten der Arbeitgeber – zu Recht – als Skandal bewertet und beschlossen, bis zur 3. Tarifrunde am 23.11. in Hamburg bundesweit zu Protestaktionen und Warnstreiks aufzufordern.
Was sollen wir uns angesichts von Rendite-Steigerungen von 20% und mehr und satten Erhöhungen der Managergehäter um bis zu 30% noch alles gefallen lassen?Jetzt sind wir alle gefragt! Das dürfen wir uns so nicht bieten lassen!
URL des Textes: http://www.timotarif.de/5/viewentry/1903
Kommentare
noname am 25. Oktober 2007
ich frag mich immer wieder, warum man sich nicht gleich beim 1. Treffen einigen kann. Muss es erst soweit kommen wie bei der GdL ?
Versicherungsmichel am 25. Oktober 2007
Ich den letzten zwei Verhandlungsrunden, in der Deutschland in einem wirtschaftlichen Tief steckte, hätte ich solche "Angebote" eher nachvollziehen können.
Aber jetzt boomt die Konjunktur und die Gewinne sind wahrhaftig sehr gut.
Weshalb sollen jetzt solche Kürzungen vorgenommen werden.
Ich habe das Gefühl, dass die ganze Verhandlungsrunde nur über die Zeit des Weihnachtsgeldes herausgeschoben werden soll.
Eigentlich schade und ärgerlich
Frank S. am 26. Oktober 2007
Für einen Tarifvertrag, der bereits am 31.8.2007 ausgelaufen ist, erscheinen mir die vierwöchigen Verhandlungsintervalle doch reichlich großzügig bemessen. So kann man keinen Druck auf die Arbeitgeberseite ausüben! Die Thematik droht dadurch "ausgesessen" zu werden.
Mike H. am 26. Oktober 2007
Ich denke auch, dass die terminliche Ansetzung eher kontra-produktiv ist und den AG in die Hände spielen. Ferner ist nicht einzusehen, warum in guten Zeiten der AN nicht auch am Wachstum wie in anderen Branchen bzw. Abschlüssen profitieren sollte, zumal die Preissteigerung zunimmt.
xyz am 30. Oktober 2007
Ich glaube, nach der nächsten Verhandlungsrunde geht das mit dem Abschluß ganz schnell. Die Frage bzgl. Abschaffung Weihnachtsgeld halte ich eher für Scheingefechte. Anscheinend wird AG-seitig auf zeit gespielt, um sich -wenigstens noch in diesem Jahr- ein infolge Tariferhöhung bedingtes Weihnachtsgeld zu ersparen. Das ist zwar lächerlich einerseits, andererseits aber nicht verwunderlich, wenn man sich anschaut, wie AG-seitig um jeden Cent gefeilscht wird.
Matthias am 31. Oktober 2007
Mir kommt es so vor, als sei das ein abgekartetes Spiel. Beide Seiten sind scheinbar außerordentlich empört über die Forderungen der Gegenseite. Zu Ergebnissen kommt es dann wohl wieder mit Wirkung zum April 2008.
Im Gegensatz zu anderen gewerkschaften wie z.B. der IG-Metall scheint VERDI dies egal zu sein.
Hans am 31. Oktober 2007
Ich finde es mittlerweile lächerlich wie sich hier Verdi vor den Karren spannen lässt.
Anderseits verwundert es auch nicht weiter, da die Mitgliederzahlen in der Versicherungsbranche im Vergleich zu anderen auch kaum erwähnenswert sind.
Darüber hinaus beteiligen sich die AN auch kaum an Warnstreiks.
Bei so wenig Unterstützung kann man keinen Druck aufbauen.
Das weiß die AG Seite ganz genau und zeigt es auch nur zu deutlich mit Ihrer respektlosen Haltung zu den Tarifrunden.
Wenn Verdi einen Achtungserfolg erringen könnte um sich ein wenig mehr Respekt zu verschaffen wäre schon viel bewegt.
Aber so ist es nur ein Kasperletheater.
liebe Grüße
Hans
Martina am 2. November 2007
Hallo Kolleginnen und Kollegen,
nur eine kleine Anmerkung: Was kann verdi für die Verzögerungstaktik der Arbeitgeber? verdi hat den Arbeitgeberverband schon im Sommer dazu aufgefordert noch vor Auslaufen des Gehaltstarifvertrages - also vor dem 31.08.2007 - mit den Verhandlungen zu beginnen. Die Arbeitgeber haben sich schlicht geweigert. Auch die jetzt vereinbarten Verhandlungstermine sind nicht die Wunschtermine unserer Tarifkommission.
AUch jetzt sind die Arbeitgeber nicht bereit ein ordentliches Angebot auf den Tisch zu legen, sondern wollen verdi erpressen. Stimmt nicht ganz - nicht nur verdi, sondern alle Kolleginnen und Kollegen in der Versicherungsbranche.
Das können wir ändern! Tarifverhandlungen sind Machtfragen. Sich an Aktionen und Streiks beteiligen und Mitglied der Gewerkschaft werden ist die einzig wirksame Antwort auf die unverschämte Haltung der Arbeitgeber !
Grüße aus Köln
Martina
PKV Mitarbeiter am 2. November 2007
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
ich bin bei einem großen PKV Unternehmen beschäftigt.
bereits vor einigen Jahren waren leider viele meiner Kollegen und ich gezwungen, wegen der Position von Verdi zur Gesundheitsreform die Mitgliedschaft zu kündigen, da die eigene Gewerkschaft den eigenen Arbeitsplatz weg rationalisieren wollte.
Doch auch jetzt macht's Verdi einem nicht leicht, wieder ins Boot zurück zu kehren.
Ich frage mich schon, ob die tatsächliche Situation in den Betrieben bekannt ist.
1; bereits seit einigen Jahren besteht in der Branche kein Bedarf an Innendienstkräften, es wird abgebaut soweit möglich. Das kann Verdi vielleicht verzögern, aber keinesfalls verhindern.
Ausbildungsplätze gibt es ausreichend, und zwar im Außendienst. Seit Jahren würde mein Arbeitgeber mehr Lehrlinge einstellen, wenn er denn geeignete fände. Und eine Übernahmegarantie für einen Azubi zu fordern, der im Außendienst nichts, aber gar nichts, bewegt hat, ist schon reichlich naiv.
2; Eine weitere Arbeitszeitverkürzung bei teilweisem Lohnausgleich ist weder durchsetzbar, noch wünschenswert. Nach Jahren des Nettolohnverlustes benötige ich endlich mehr Geld, und nicht weniger. Ich wäre auch bereit mehr bei entsprechendem Zuschlag zu arbeiten. Hier werden völlig unnötig Nebenkriegsschauplätze eröffnet, die den Blick für die eigentlich substantiellen Forderungen verstellen.
Und dies müssen sein:
- Lohnzuwachs
- Altersteilzeit. Diese Option schätzen Mitarbeiter und Arbeitgeber und sollte deshalb aufgrund der Erfahrungen in der Vergangenheit erreichbar sein.
Jede andere Forderung ist realitätsfern und kaum der Wille der Mehrheit der Beschäftigten. Auch Verdi sollte erkennen, dass der Arbeitsplatzabbau in der Branche nicht aufgehalten werden kann und deshalb Verbesserungen der Bedingungen für die restlichen, verbliebenen Mitarbeiter absolut Vorrang haben müssen.
Haben Sie in den letzten Jahren tatsächlich das Gespräch mit den Mitarbeitern gesucht?
Bei uns im Betrieb war seit mindestens 10 Jahren kein Verdi Vertreter mehr.
Und auf einen Lohnzuwachs von vielleicht 1,5% ab April 2008 kann ich dann auch verzichten.
Viel heiße Luft um Nichts.
Christian am 3. November 2007
Hallo Kolleginnen und Kollegen,
ich muss meinem Vorschreiber zustimmen! Ich arbeite auch bei einem großen PKV-Unternehmen und als solcher fühlt man sich von Verdi nicht gut vertreten, wenn man wegen ideologischem Gehabe um seinen Arbeitsplatz bangen muss.
Diese Tarifverhandlungen werden sicher noch 3 -4 Monate von der AG-Seite rausgezögert und dann lässt sich Verdi ohne großes Murren auf einen jämmerlichen Abschluss ein. Wie der letzte Tarifabschluss war ja auch schon ein Witz, 2% und 1% auf 2 Jahre verteilt...
Man kann von den GDL-Forderungen halten was man will (ich persönlich finde es übertrieben), aber diese Gewerkschaft setzt sich wenigstens für die Beschäftigten ein! Nicht wie Verdi. Sollte unsere "Dienstleistungsgewerkschaft" irgendwann auch nur halb das Engagement zeigen wie die GDL, dann wäre ich auch bereit wieder über einen Eintritt nachzudenken, aber nicht bei diesem Desinteresse an den Versicherungsangestellten.
MfG
Hans Janosch am 6. November 2007
Liebe Kolleginne und Kollegen,
dranbleiben. Ihr führt keine Abwehrkampf, sondern seit aufgefordert im Sinne der Kolleginne und Kollegen richtig Gas zu geben. "Akzeptable Ergebisse" geführter Abwehrkämpfe sind nicht mehr vermittelbar - wir müssen angreifen. Vorallem von den 30Stunden sollten ihr euch nicht abbringen lassen. Es ist an der Zeit, Faust hoch, vorwärts!
Solidarische Grüße aus dem "T-Service"
Hans Janosch
Matthias am 13. November 2007
Sicherlich lassen die Mitgliederzahlen in der Versicherungsbranche zu wünschen übrig.
Was mich dennoch stutzig macht:
In unserem Haus werden die agv-Tarifinformationen ausgelegt. Verdi-Informationen zum Stand der Tarifverhandlungen gab es noch nicht. So geschieht es, dass die Belegschaft einseitig informiert wird und "ruhig" gestellt wird.
Um Mitglieder zu werben und überhaupt auf sich aufmerksam zu machen, muss verdi auch in die nicht hinreichend organisierten Betriebe gehen.
In unserem Haus war bis zur Veröffentlichtung der agv-Mitteilungen sogar weitgehend unbekannt, dass überhaupt Tarifverhandlungen stattfinden.
Das muss man sich mal vorstellen!
So stelle ich mir Gewerkschafts-Öffentlichkeitsarbeit nicht vor.
Peter Brandt am 13. November 2007
Ich habe mir die Unterlagen zur ersten Tarifverhandlung gründlich durchgelesen, komme aber leider immer noch nicht dahinter, wie sich die 6,5% Gehaltsforderung genau erklären. Kann mir jemand helfen?
Das ist sehr wichtig für die kommenden Aktionen.
peet
matthias am 20. November 2007
Der AGV lässt anlässlich der dritten Runde verlauten, dass er überrascht sei über die Reaktion von verdi. Im Frühjahr sei man mit verdi übereingekommen, dass es vor der dritten Runde zu keiner Einigung komme.
Stimmt dies wirklich?
Wenn ja wäre das echt der Oberknüller!
axelcologne am 20. November 2007
Ich arbeite bei einer großen Kölner Versicherung und bin der Meinung das verdi endlich mal mobilisieren muss. Betriebsgruppen ins Leben rufen und Menschen aktivieren. Die Gewinne sprudeln wie nie und die Arbeitsplätze werden wegrationalisiert und zusätzlich sollen nun noch die Löhne runter. Gelinde gesagt eine Unverschämtheit die bewirkt das man sich bestimmt nicht mehr mit der Gesellschaft identifiziert.
Axel
Nordlicht am 21. November 2007
Den kritischen Anmerkungen einiger der Vorschreiber kann ich nur beipflichten. Durch eine Vielzahl von tw. völlig unrealistischen Forderungen macht es verdi den Arbeitgebern leicht, einen Tarifabschluss herauszuzögern.
Zum Thema Azubis: Warum sollen mehr Azubis ausgebildet werden, wenn doch, außer ggfs. im Außendienst, Stellen eher abgebaut werden? Und warum sollte ein Arbeitgeber eine Übernahmegarantie für Azubis abgeben, wenn er schon jetzt absehen kann, dass er diese auf absehbare Zeit nicht benötigt? Im übrigen: Es gibt auch schlechte Azubis. Kann es wirklich im Interesse der Beschäftigten der Versicherungswirtschaft sein, auch solche künftig "mitschleppen" zu müssen und zwar direkt oder indirekt auf Kosten der übrigen Kollegen?
Auch die Forderung in Richtung Verkürzung der Arbeitszeit mutet irreal an. Und mir wäre eher mit einer moderaten Verlängerung der Arbeitszeit (bei entsprechend angehobenem Gehalt) als einer Verkürzung der Arbeitszeit gedient.
Bei einer Konzentration auf die wesentlichen Forderungen (Lohnzuwachs, Altersteilzeit) wäre es jedenfalls wesentlich einfacher, zu einem vernünftigen Ergebnis in absehbarer Zeit zu gelangen, zumal die Arbeitgeber intern ja selbst davon ausgehen, dass dieses Mal eine 3 vor dem Komma stehen wird.
Ich gehe allerdings auch davon aus, dass die Tarifgespräche, nicht zuletzt wegen der Überfrachtung mit unsinnigen Forderungen, noch Monate dauern könnten. Am Ende wird Verdi einen Abschluss vereinbaren und für die vergangenen Monate einer Einmalzahlung zustimmen, die allen besser verdienenden Kollegen die Zornesröte ins Gesicht treibt. Wie soll es dann gelingen, auch solche Kollegen für verdi zu interessieren?
Andreas am 21. November 2007
Es ist schon erstaulich wie realistisch die Kommentare hier sind. Man kann wirklich davon ausgehen, dass die Ergebnisse dieser Verhandlungen noch auf lange auf sich warten lassen werden. Im Prinzip versuchen beide Seiten mit überzogenen Forderungen sich zu positionieren.
Mein Vorredner hat vollkommen Recht. Auch bei uns rechnet man intern mit einer Gehaltserhöhung von ca. 3,5%, sowie weitere Zugeständnisse an die Arbeitnehmerseite. Anstatt sich schnellst möglich auf einen solchen (guten) Abschluß zu einigen, wird hier erst mal versucht sich zu profilieren. Leider geht das in der Summe zu Lasten der Arbeitnehmer....
Martina am 21. November 2007
Hallo Kolleginnen und Kollegen,
in meinem Unternehmen informiert verdi sehr ausführlich zur Tarifrunde und wir sind hier auch aktiv - morgen gehen wir in den Warnstreik! Ich arbeite übrigens auch in einem PKV Unternehmen!
Zu den Fragen, die hier aufgekommen sind und zu denen bisher niemand antwortet:
verdi wollte schon im August eine erste Verhandlung zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft, die Arbeitgeber haben sich einfach geweigert und zum Reden gehören nunmal zwei. verdi hat sowohl in der ersten Verhandlungsrunde, als auch in der zweiten Runde die Arbeitgeber aufgefordert ein Gehaltsangebot zu machen - schließlich geht es ja um den Gehaltstarifvertrag. Warum sollte verdi verabreden, dass man erst in der 3. Runde über das redet, um was es eigentlich gehen sollte?
Die Arbeitgeber versuchen da gezielt die Belegschaften zu verunsichern und da schrecken sie eben ach nicht davor zurück es nicht so genau mit der Wahrheit zu nehmen!
Die 6,5 % Gehaltsforderung hat die Tarifkommission lange diskutiert. Zugrunde gelegt wurde die Preissteigerung, die Gewinne in der Branche, die gestiegene Produktivität und die Tatsache, dass wir in den vergangenen Jahren angesichts der Entwicklung in der Versicherungswirtschaft ziemlich dürftige Abschlüsse erleben mußten.
Ich finde es reicht, von uns wird immer mehr Flexibilität und Leistung erwartet, die Gewinne steigen, aber wir sollen bescheiden sein?
Mensch nicht Kostenfaktor!
Jochen Findeisen am 21. November 2007
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
wir bedanken und bei allen, die uns bei unserem Warnstreik am 220.11.07 unterstützt haben. Wir haben mit Befriedigung festgestellt, dass immer mehr KollegInnen entschlossen sind, bei Ver.di Mitglied zu werden und Aktionen von Ver.di zu unterstützen. Auf der Kundgebung vor dem Gewerkschaftshaus wurde von allen Rednern deutlich gemacht, dass sich die Arbeitgeber aus ihrer neoliberalen Traumwelt verabschieden und politische Realitäten akzeptieren müssen. Streiks, sogar die der Lockführer, werden von immer mehr Menschen gutgeheißen. Die LINKE ist drittstärkste politische Kraft in diesem Lande. In der SPD und weit hinein in die CDU wird die Abkehr von der arbeitnehmerfeindlichen Agenda 2010 diskutiert.Renditefixierte Manager und "knallharte Sanierer" werden nicht mehr als Leitbilder angesehen sondern als Figuren aus der sozialpolitischen Geisterbahn. Immer weniger Menschen akzeptieren, dass der vielgepriesene "Aufschwung" an der Mehrzahl der Arbeitnehmer spurlos vorübergeht. Die verfügbaren Nettoeinkommen der Arbeitnehmer sind auf dem Stand der frühen neunziger Jahre, während im gleichen Zeitraum die Einkünfte aus Kapitalvermögen und Unternehmertätigkeit um ca. 40% gestiegen sind. Die Versicherungsarbeitgber möchten Tarifverträge, Sozialleistungen und Gehälter noch mehr zusammenstreichen, weil diese nicht mehr "zeitgemäß" seien. Wenn "zeitgemäß" ein Kriterium ist, müssen unsere Arbeitgeber ihre eigene Argumentation daran messen lassen. In ihren "Sozialpolitischen Kurzinformationen" (10/2007) klagen sie, der "pivate Konsum" sei schwach und deshalb würde dieses Jahr nur ein Prämienwachstum von 0,2% in der Assekuranz erwartet werden. Ist es da eine "zeitgemäße" Antwort, den privaten Konsum durch Einführung von Niedriglohngruppen, unbezahlte Arbeit der AT und ÜT Angestellten und Ablehnung unserer Forderung nach einer Gehaltserhöhung von 6,5% noch weiter zu schwächen? Das Lamentieren der Arbeitgeber ist so lächerlich wie die Klage eines Menschen, der an Weihnachten stark erkältet im Bett liegt weil am Nikolaustag in Shorts und T-shirt auf der Königstrasse flanierte.
Wir fordern von den Arbeitgebern eine seriöses, wirklich zeitgemäßes Angebot, das sich an den wirtschaftlichen und politischen Realitäten orientiert und auch potentielle Kunden überzeugt, dass die deutsche Assecuranz ein seriöser, kompetenter und verläßlicher Partner ist.
Mit freundlichen Grüßen
Ver.di Betriebsgruppe iHs Württembergische Versicherung AG
Jochen Findeisen
Betriebsgruppensprecher
Markus am 22. November 2007
Hallo Kolleginnen und Kollegen,
wenn man sich die Kommentare hier durchliest, muss man leider mit Erschrecken feststellen, daß es immer noch sehr viele naive Kolleginnen und Kollegen gibt, die denken, einen guten Tarifabschluss würde man nach ein paar Runden von den Arbeitgebern einfach geschenkt bekommen.
Ich finde es unfair gegenüber der Gewerkschaft und allen Arbeitnehmern, die sich an Aktionen beteiligen, wenn hier von Kollegen, die offensichtlich selbst noch nie etwas für einen guten Tarifabschluss getan haben, Kritik geübt wird. Denn eine Gewerkschaft kann immer nur so stark sein wie die Kollegen, die zeigen, daß sie hinter den Forderungen stehen.
Folgende Fakten liegen doch ganz klar auf der Hand:
1. Die Gewinne in der Branche sind in den letzten Jahren stark gestiegen.
Wieso sollen nur die Vorstände und Aktionäre davon profitieren und nicht auch wir, die die Arbeit machen?
2. Die Inflationsrate steigt, Lebensmittel, Energie und viele Güter des täglichen Bedarfs sind teurer geworden.
Sollen wir, trotz der guten Arbeit, die wir abliefern, Kaufkraftverluste hinnehmen?
3. Viele Angestellte mussten die letzten Jahre viel über sich ergehen lassen: Rationalisierungsmaßnahmen, Umstrukturierungen, Fusionen, usw.
Wir haben wirklich vieles mitmachen müssen. Wo aber ist die Solidarität? Es ist nicht in Ordnung, dass hier im Forum von Kollegen Besserwisserei anstatt Solidarität geübt wird. Schade, die Arbeitgeber freuen sich darüber und haben ein leichtes Spiel...
Übrigens:
Die Leute, die in unsere Verhandlungskommission sitzen, sind allesamt erfahrene Betriebsräte und Gewerkschafter. Die wissen, wovon sie reden und was sie tun, weil sie gehen täglich mit den Arbeitgebern um. Anstatt "drauf zu hauen" sollten sich einige hier mal Gedanken machen, was wir den Leuten zu verdanken haben. Das sind nämlich Kollegen, die auf unserer Seite stehen und die sich für unsere Interessen einsetzen.
Von mir deshalb an dieser Stelle an die Verhandlungskommission: Vielen Dank für Eure Bemühungen, Ihr habt es wirklich nicht immer leicht!!! Macht trotzdem weiter so und gebt nicht auf, auch wenn der Rückhalt in den Belegschaften nicht immer optimal ist.
Viele Grüße
Andreas am 22. November 2007
Es ist unbestreitbar, dass Betriebsräte und Gewerkschaften eine wichtige Funktion erfüllen. Allerdings sollten sie, wie auch die Arbeitgeber, vom Populismus Abstand nehmen.
Seit Jahren reden die Arbeitgeber von den unbezahlbaren Arbeitskräften und die Gewerkschaften von den riesigen Gewinnen. Das sollen sie auch ruhig machen. Allerdings sollten sie bei Gehaltsverhandlungen auf Werbung für bestimmte politische Richtigungen verzichten und populistische Forderungen unterlassen. Dies schadet mir mehr, als das es mir hilft. Durch die überzogenen Forderungen (von beiden Seiten) kam es im August zu keiner Einigung. Und seitdem ist mein Gehalt nicht angepasst worden.
Markus am 23. November 2007
Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Andreas,
es steht doch den Arbeitgebern frei, sofort am ersten Verhandlungstermin die Gehälter durch ein vernünftiges Angebot zu erhöhen. Die Gewerkschaft würde sicherlich bei einem solchen Angebot nicht lange fackeln und sofort zugreifen.
Da stellt sich mir die Frage: Wieso funktioniert das nicht so?
Die Antwort liegt doch klar auf der Hand:
Weil die Arbeitgeber durch monatelange Hinhalte-Taktik mehr Geld sparen (pro Monat je nach folgendem Abschluss ca. 3 Prozent der Gehälter, im November zuzügl. Weihnachtsgeld) als die Ausfälle durch Arbeitskampfmaßnahmen kosten.
Jetzt kann man es sich natürlich einfach machen und sagen: "Moment, da müssen doch die Gewerkschaften eingreifen und zügigere Verhandlungen fordern!"
Das allerdings ist theoretisch leichter gesagt als praktisch in die Tat umgesetzt. Leider beteiligen sich in der Versicherungsbranche nun mal wenige Beschäftigte an Gewerkschaftsaktionen, erst recht dann, wenn solche Aktionen noch gar nichts mit substanziellen Forderungen (sondern "nur mit irgendwelchen Verhandlungsterminen") zu tun haben. Eine Gewerkschaft wie die IG-Metall kann sich sowas erlauben, weil sie die Belegschaften bedingungslos hinter sich hat, aber eben nicht verdi als Vertreter von Versicherungsangestellten, die sich ihr Hinterteil lieber im Schreibtischstuhl platt drücken als auf die Straße zu gehen.
Bleibt nur die Hoffnung, dass die Kolleginnen und Kollegen in Zukunft anfangen, umzudenken.
Viele Grüße
Michael am 23. November 2007
Viel Glück heute! :-)